Demokratieerziehung ist eines der letzten Themen, mit denen ich mich an der HSFK beschäftigt habe. Ich bin damit bei einem Thema angelangt, in dem ich bis kurz vor meiner Einstellung an der HSFK in meiner Privatsphäre gelebt habe: Autonomie in pädagogischen Arbeitsverhältnissen. Als jemand, der in der Marburger Kinderladenbewegung engagiert war, wurde ich zu einem Lehrauftrag im Fachbereich Pädagogik der Philipps-Universität (Marburg) eingeladen. Daraus entstand einer meiner ersten Aufsätze: Chancen kollektiver Erziehung.

Am Ende meiner beruflichen Karriere ging es für mich im Zusammenhang mit dem HSFK-Forschungsprogramm Antinomien des demokratischen Friedens immer noch um den Elementar- und Primarbereich, allerdings auf einem anderen Niveau: Erziehung als gesellschaftliche Aufgabe ist politisches Handeln, folglich ist Demokratieerziehung die Befähigung, sich in den politischen Verhältnissen nach und nach zurechtzufinden. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass Erfahrungen der erfolgreichen Beteiligung innerhalb von Machtstrukturen demokratischer Institutionen Mut machen, sich auch als Erwachsener für Demokratie zu engagieren.

Aber ich habe auch in anderen Themenbereichen den Demokratieaspekt in den Vordergrund gestellt, so etwa in den zahlreichen Publikationen zum interkulturellen Lernen. Hier war mir wichtig, sich nicht-demokratischen Verhältnissen mit Vorsicht und Empathie zu nähern. In diesem Sinne habe ich Entscheidendes von Milton Bennett gelernt: Erst eine ethnorelative Haltung berechtigt zur Hoffnung, dass Eigenes mit Fremdem kompromissfähig wird. In diesem Sinne verstehe ich die folgende Auflistung meiner Veröffentlichungen:

emokratie leben lernenDemokratie leben lernen – von Anfang an. Auf dem Weg zur Demokratieerziehung in Kindertagesstätten, HSFK 2006, 84 Seiten.

Demokratie fällt nicht vom Himmel, sie ist in der Geschichte hart erkämpft worden. Ihre Stabilität und Weiterentwicklung hängt u.a. auch davon ab, wie ihre Grundsätze und Verfahrensweisen von Eltern in der Familie und von Pädagogen in Bildungseinrichtungen an die nachfolgenden Generationen weitergegeben werden. In der Fortbildungsstudie „Demokratie leben lernen“ der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung erarbeiteten pädagogische Fachkräfte gemeinsam mit Wissenschaftlern Zugangsweisen und Angebote für eine Demokratieerziehung von Anfang an. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Unterscheidung zwischen pädagogischer Partizipation als Hilfe zur Entwicklung und demokratischer Orientierung in Entscheidungsprozessen gelegt. Die Broschüre enthält methodische Vorschläge, wie man selbst kleinste Kinder mit demokratischen Ritualen vertraut machen kann. Zudem werden grundlegende und vorbereitende Gedanken vorgestellt, die zur Planung, Durchführung und Evaluation einer solchen Pädagogik notwendig sind.

Demokratie und ErziehungDemokratie und Erziehung. Durch Partizipationserfahrungen zum „mündigen Bürger“? HSFK-Report 3/2001, 37 S. (pdf-Format)

Betrachtet man die aktuellen Diskussionen um die Erfolgschancen einer Erziehung zur Demokratiefähigkeit, so stellt sich immer häufiger die Frage, ob die Bemühungen der politischen Bildung den gegenwärtigen gesellschaftlichen Problemen gerecht werden. Sollte mehr erzogen werden oder sollte die Selbstverantwortung von Kindern und Jugendlichen stärker entwickelt werden? Welche Räume zum Erlernen notwendiger sozialer Schlüsselqualifikationen wie Toleranz, Kommunikationsfähigkeit und Zivilcourage bieten Elternhaus, Kindergarten, Schule oder der Ausbildungsplatz? Anhand dieser und anderer Fragen überprüft der Autor die Voraussetzungen für die Entwicklung demokratischer Fähigkeiten innerhalb der verschiedenen Sozialisationsinstanzen und kommt zu dem Ergebnis, dass vor allem vielschichtige Erfahrungen praktischer Mitgestaltung die so genannte politische Mündigkeit junger Menschen bedingen und fördern.

Lernprogramm Demokratiemit Bernhard Meyer:
Lernprogramm Demokratie – Möglichkeiten und Grenzen politischer Erziehung von Kindern und Jugendlichen, Weinheim und München 2000
Wann, wie und wo kann man Kinder und Jugendliche in Familie, Kindergarten, Schule und kommunaler Öffentlichkeit an demokratische Verhaltensweisen heranführen? Welche Voraussetzungen haben die entsprechenden Lernfelder? Um welche Verhaltensweisen geht es beim „demokratischen Verhalten“ überhaupt? Erziehung wird in diesem Band daraufhin befragt, was sie zu welchem Konzept von Demokratie beiträgt bzw. welche Wünsche an Demokratie als einer politischen Lebensform sich in pädagogischen Konzepten widerspiegeln. Dabei geht es um Anhaltspunkte, welches die für demokratische Verhalten sensiblen Stellen im Beziehungsprozess zwischen Kindern und Erwachsenen sind. Es geht außerdem um die Bedingungen, unter denen demokratisches Verhalten bei Kindern und Jugendlichen gefördert werden kann. Dadurch werden Möglichkeiten und aber auch Grenzen von Pädagogik im Hinblick auf politische Bildung sichtbar.

mit Magdalena Kladzinski: Demokratie in Familie und Kindergarten? Konzepte zu Partizipation und Interessenkonflikten, in: Wolfgang Sander (Hrsg.): Handbuch politische Bildung, Schwalbach/Ts. 2005, S. 171-183

mit Magdalena Kladzinski: Partizipation, Entwicklungsförderung oder Anpassung? Demokratie im Kindergarten zwischen Bedürfnissen und Interessen, in: TPS 2/2005, S. 46-51

Regeln – demokratisch gewendet, in: KiTa spezial Nr. 4/2005, S. 10-14

Angst vor Partizipation? Auf dem Weg zur „Demokratisierung“ deutscher Kindertagesstätten, in: Neue Praxis Heft 6 2005, S. 639-653

Die Familie – ein Baustein der Demokratie? in: kursiv, Journal für politische Bildung 3/2003, S. 18-24