Grundidee ist, dass man nicht unter dem Druck eines realen demokratisch orientierten Prozesses etwas in Gang setzen muss (Wie können wir die Kinder an was mit welchen Verfahren beteiligen?), sondern dass dies außerhalb der realen Verfahren erarbeitet, gelernt oder geübt wird. Es soll ausschließlich darum gehen, unter pädagogischen Gesichtspunkten sich auf das Verfahren in der Ernstsituation vorzubereiten: Wie lerne ich zu präsentieren? Wie lerne ich zu protokollieren? Wie lerne ich, mich an einem Wahlverfahren zu beteiligen?

In den Werkstätten sind pädagogische Hilfen und Methoden gefragt, die die einzelnen Kinder und ihre unterschiedlichen Fähigkeiten in den Mittelpunkt stellen. Es kommt nicht darauf an, ein demokratisch orientiertes Verfahren von Anfang bis Ende durchzuführen (das macht man bei einer Kinderkonferenz, bei einem Kinderrat oder in einem Kinderparlament), sondern dass an den verschiedenen Punkten des Verfahrens mit den Kindern geübt wird.

Der komplexe demokratische Prozess (in dem es vorrangig um die Entscheidung bei Interessengegensätzen geht) wird dazu in die verschiedenen Elemente zerlegt, wobei es verschiedene Zielorte gibt: die Kinderkonferenz, in der meist diskutiert wird und am Ende verschiedene bzw. konkurrierende Vorschläge zu Sachthemen stehen (etwa wie was geregelt werden könnte oder welche Themen zur Entscheidung geführt werden sollten), der Kinderrat als ein formelles Entscheidungsgremium (in dem nach dem Delegationsprinzip entschieden wird) oder das Kinderparlament (in dem der Debattenprozess stattfindet und generell Regeln beschlossen werden). Die Fragestellungen sind also: Wie diskutiert man unter demokratischen Gesichtspunkten ein Problem? Und: Wie komme ich unter demokratischen Gesichtspunkten zu einer Entscheidung?

Zu diesen generellen Fragestellungen gibt es verschiedene Detailfragen: Bei der Konferenz: Wo kommt das Thema her? Wie führe ich das Thema ein? Wie bereite ich eine Konferenz vor? Welche Materialien brauche ich, wie kann ich mir mit welchen Hilfsmitteln das Verfahren erleichtern? Wie wird eine Konferenz protokolliert? Welche verschiedenen Möglichkeiten gibt es bei verschiedenen Altersstufen? Wie wird die Anwesenheit zu einer Konferenz festgestellt/erfasst, welche Bedeutung hat sie? Wie wird das Ergebnis erfasst? Wie wird das Ergebnis nach außen kommuniziert? Beim Kinderrat: Wie wird eine Wahl organisiert? Wie findet man Kandidaten? Welche Erwartungen gibt an sie? Was bedeutet die Präsentation eines Vorschlagers, wie präsentiert man seine Interessen? Wie kommt man zu einer gemeinsamen Entscheidung, was braucht man dazu? Was sind Mehrheiten, was sind Minderheiten? Was ist Minderheitenschutz? Wie kann man Abstimmen/Auszählen? Wie hält man das Ergebnis einer Wahl fest? Wie wird das Ergebnis kommuniziert?

Wenn man eine Werkstatt mit etwa sechs Kindern anbietet, hat man möglicherweise sechs unterschiedliche Voraussetzungen, bei denen man pädagogisch anknüpfen muss. Die professionelle Herausforderung: Wie kann man die einzelnen Kinder individuell fördern, vor allem die, die noch nicht über die (nahezu) erwachsenen Fähigkeiten des Lesens, Schreibens oder der Verwendung vom Piktogrammen verfügen? Welche anderen Möglichkeiten gibt es z.B. Anwesenheiten festzuhalten? Hierbei können die gesammelten Möglichkeiten des pädagogischen Repertoires ausgeschöpft und auf diesen Lerngegenstand bzw. die einzelnen Module fokussiert werden.

Zwei Möglichkeiten der pädagogischen Interventionen sind denkbar: Man gibt den Kindern das Lernziel und die Wege dorthin vor und übt im Medium des Nachmachens. Beispiel: Wir machen Fotos von euch und ihr kreuzt hinter eurem Foto und dem Datum der Sitzung an. Dieses Vorgehen bietet sich dort an, wo es um vollständig neue Inhalte und Methoden im demokratischen Prozess geht und die man vormachen muss, damit man sie nachvollziehen kann. Von den Pädagoginnen kommt das Verfahren, das die Kinder lernen soll (d.h. üben) sollen.

Die zweite Möglichkeit des pädagogischen Vorgehens: Man erarbeitet das Thema des einzelnen Moduls mit den Kindern gemeinsam. Dazu können die Fragen, zu denen die Kinder Antworten finden sollen, heißen: Wie könnte man die Anwesenheit feststellen, wie könnte man sie protokollieren, damit wir immer wissen, wer bei welcher Diskussion dabei war? Hilfreich für die Planung der Interventionen bei diesem Vorgehen ist dabei die finale Perspektive: Wozu wird etwas gemacht bzw. kann man mit dem Vorschlag eines Kindes das Ziel erreicht werden (Evaluation)? Unterstützende Interventionen sollten den kreativen Prozess der Kinder im Auge haben: Lesen und Schreiben könnt ihr noch nicht, welche anderen Möglichkeiten gibt es denn in unserer Einrichtung? Wie machen wir das in anderen Situationen, z.B. bei euren Kleiderhaken?

Inwieweit die Erzieherinnen mit ihrer (erwachsenen) Kompetenz den Kindern entgegenkommen und wie lange, hängt von den generellen Zielen einer Selbständigkeitserziehung in der Einrichtung ab (Beispiel: die Kinder schlagen vor, dass die Erzieherin protokolliert/die Anwesenheitsliste führt) und von der Kompromissfähigkeit der Erzieherinnen, sich mit den (unvollkommenen) Lösungsvorschlägen der Kinder erst einmal zu arrangieren. Hierbei ist dringend das Lerntempo der Kinder zu beachten (Tempo kleine Schnecke). Der demokratische Prozess benötigt vor allem viel Zeit. Und die eigenen Vorstellungen, wie etwas geregelt/organisiert werden sollte, weitestgehend zurück zu stellen.

Die Werkstatt soll Spaß machen, das Werkstattangebot soll motivierend wirken. Was motiviert Kinder? Wenn sie sich in ihrem Wachstum den Erwachsenen annähern, wenn sie so wichtige Sachen machen, wie die Erwachsenen, wenn sie spüren, dass es um ihre eigenen Interessen geht und sie ernst genommen werden, wenn sie merken, dass sie etwas bewirken können, wenn man ihre jeweiligen Fähigkeiten schätzt und sie diese einsetzen können… Wie einzelne pädagogische Angebote wirken, spricht sich (informell) herum, die einen wählen dies, die anderen das. Bei der Mitteilung der Angebote ist die Demokratie-Werkstatt eines unter mehreren. Niemand wird gezwungen, kann sich ab er seinen Interessen und Neigungen gemäß einwählen. Derjenige, der gerne Verantwortung übernehmen möchte, ist wahrscheinlich eher mit einer Demokratiewerkstatt angesprochen als derjenige, dem „Politik“ nicht liegt (nicht jedes Kind muss befähigt werden, später einmal Politiker zu werden). Spätestens in der „Ernstsituation“ kann allen Kindern deutlich werden, wozu die Demokratie-Werkstatt (in ihrem eigenen Interesse) gut ist. Demokratie ist u.a. auch die Freiheit der Wahl eines Angebotes.

Die besondere Wertschätzung dessen, was Kinder in der Demokratie-Werkstatt lernen, kann dadurch zum Ausdruck gebracht werden, in dem man ihr einen öffentlichen Platz in der Einrichtung zuweist, etwa in Form einer Infowand „Demokratie-Werkstatt“. Hier können z.B. die Ergebnisse eines Diskussionsprozesses, an dem man geübt hat, plakatiert werden (z.B. Modul Kinderkonferenz / Diskussion: unterschiedliche Meinungen zu einem Problem in der Einrichtung, dazu muss man sich thematisch vorbereiten, d.h. man gibt – pädagogisch gedacht – das Thema vor, um sich auf den Diskussionsprozess zu konzentrieren). Aller bisherigen Erfahrung in den Projekten nach sind die Kinder leicht zu motivieren, wenn sie erkennen, dass es um sie und ihre Meinung/Entscheidung geht.

Mit der Veröffentlichung von Ergebnissen einer Demokratie-Werkstatt, die ja in der Erfassung unterschiedlicher Standpunkte, Interessen und Meinungen bestehen kann, kann man zudem erreichen, dass in der Einrichtung insgesamt ein Auseinandersetzungsprozess zu einem Problem befördert wird, das mehr oder weniger alle beschäftigt. Um einem Missverständnis vorzubeugen: In einer Demokratie-Werkstatt wird keine die Einrichtung betreffende Entscheidung gefällt.

Individuelle Förderung kann sich aller pädagogischer Methoden bedienen, die auch in anderen Projekten üblich sind. Z.B. Modul „Diskutieren“. Es stellt sich heraus, dass es ein Kind gibt, das sprachlich nicht so gewandt ist, um auf andere überzeugend zu wirken. Wie kann man mit diesen Kindern Überzeugungskraft üben? Die erste Rückmeldung kann über die Gruppe erfolgen: Wie hat der Beitrag auf euch gewirkt, was habt ihr verstanden? Wenn eine negative Rückmeldung an mangelndem Selbstwertgefühl des Kindes liegt (z.B. zu leise oder zu undeutlich gesprochen), zielt die pädagogische (mutmachende) Intervention darauf ab, das was positiv gesehen werden kann, zu verstärken (es gibt immer irgendetwas, was man verstärken kann – und sei es der Mut, den jemand bewiesen hat, sich zu Wort zu melden).

Man kann die Gruppe fragen, welche Vorschläge sie hat, damit dieses Kind seine Interessen überzeugender präsentieren kann. Oder man kann natürlich auch selbst einen Vorschlag machen und das Kinder auffordern, es noch einmal zu versuchen. Die Demokratie-Werkstatt ist hier Erfahrungs- und Übungsfeld. Sollte es um mangelnde Verbalisierungsfähigkeiten gehen, kann man ebenfalls die Gruppe fragen. Wenn dieser Schritt geschafft ist, könnte der nächste sein: Es kommt ja nicht darauf an, dass man seinen Standpunkt formuliert, sondern auch dass man möglichst überzeugend wirkt, damit man seinen Standpunkt durchsetzt. Was wirkt auf euch überzeugend? Was muss man dazu machen?

Die Plakatierung der Ergebnisse einer Demokratie-Werkstatt erfolgt über die Erzieherin (in Absprache mit den teilnehmenden Kindern. Sie kann aber auch selbst Thema der Werkstatt sein (Modul „Dokumentieren“).

Wenn man Entscheidungsprozesse übt (in welchem Stadium auch immer), kann man an das Ende der Werkstatt ein attraktives Ziel in Aussicht stellen (ein besonderes Essen, was man problemlos in kleinem Rahmen herstellen kann).