BundestagImmer wieder wird beklagt, dass Kinder und Jugendliche sich viel zu wenig für Politik interessieren und engagieren. Deshalb gab und gibt es viele Initiativen und Projekte, die sich mit den Fragen beschäftigen, wie man Kinder und Jugendliche zur aktiven demokratischen Mitwirkung motivieren könnte und welche Qualifikationen dazu im Bildungsprozess vermittelt werden müssen.

Mit Versuchen, auch die jüngsten „Bürger“ anzusprechen, standen wir in Deutschland nicht alleine da. Überall in Europa hatte man sich bereits seit längerer Zeit auf den Weg begeben. Diese Dimension unserer Fragestellungen haben wir deshalb mit folgendem Fortbildungsangebot aufgegriffen:

Die Fortbildungsstudie hatte mit einer zweitägigen Einführungsveranstaltung begonnen, die dem gegenseitigen Kennenlernen, der Entwicklung des Arbeitsprogramms sowie einer ersten Auseinandersetzung mit dem Thema „Demokratie“ diente. Es schlossen sich zwei Blöcke mit je ca. 10 Praxisreflexionssitzungen à 1 1/2 Std. an, in denen die experimentelle Projekte zur demokratischen Orientierung durchgeführt und deren Ergebnisse zur Gestaltung von Modulen für Demokratie-Werkstätten verarbeitet wurden. Der dritte Block der Fortbildungsstudie beschäftigte sich mit der Frage, welche Politik Kindertagesstätten im Interesse und mit Beteiligung der Kinder im kommunalen Umfeld betreiben können. Dieser Praxisreflexionsblock diente auch der Vorbereitung auf den Abschluss der Studie. Die Blöcke wurden von zwei Zwischenbilanztagungen gerahmt, in denen der Arbeitsprozess reflektiert und modifiziert wurde. Zudem wurden dort weitere thematische Überlegungen im Zusammenhang mit demokratischen Verhaltenseigenschaften und realer Politik angestellt. Die Ergebnisse der Studie sind in der Broschüre Demokratie leben lernen – von Anfang an veröffentlicht worden.

In der Fortbildungsstudie der HSFK wollten wir – Wissenschaftler und pädagogische Fachkräfte in vor- und außerschulischen Bildungseinrichtungen – untersuchen, welche Bedeutung die konkreten Erfahrungen von Kindern bei ihren Versuchen haben, ihre Interessen durchzusetzen. Wir unterschieden dabei zwischen Situationen, in denen es um das freie Aushandeln von Interessengegensätzen zwischen Kindern bzw. Kindern und Erzieherinnen geht, und Situationen, in denen ihnen Strukturen und Rituale angeboten werden, wie sie auch im politischen Verhandlungsrahmen einer repräsentativen Demokratie üblich sind.

Da sich Kinder im Entwicklungsprozess hin zur vollverantwortlichen Persönlichkeit befinden, wollten wir herausfinden, welche positiv bestärkenden Erfahrungen von Mitbestimmung man dem jeweiligen Entwicklungsstadium angemessen organisieren kann, d.h. welche pädagogischen Angebote und Interventionen dazu geeignet sind. Wir fragten auch, ob die bisher gewählten Angebote das halten, was sie im Hinblick auf das „Lernprogramm Demokratie“ versprechen. Wir boten dazu einerseits das Setting der Praxisreflexion, andererseits das der Zukunftswerkstatt an.

Als Ergebnis der Fortbildungsstudie erarbeiteten wir die Beschreibung von Settings und Erfahrungen, die Kinder zu einer engagierten Einstellung zu demokratischem Engagement zu bringen versprechen, sowie pädagogische Anregungen zur Gestaltung von solchen Strukturen und Interventionen, die den realen demokratischen Entscheidungsprozessen entsprechen. In einer (im pdf-Format) haben wir unsere Ergebnisse während verschiedener fachöffentlicher Veranstaltungen dargelegt.

Eine Beteiligung an der europäischen Tagung „Demokratie leben lernen – von Anfang“ an und eine Hospitation in einer polnischen Einrichtung war für uns eine hervorragende Gelegenheit,
unsere Ideen einem fremden Fachpublikum u.a. auch per Video vorzustellen und zugleich eine Rückmeldung zu erhalten, die unsere Arbeit in einen neuen politischen Kontext (auf dem Weg zur Demokratie) stellte. Eine Abschlusstagung stellte in ihrem öffentlichen Teil die Ergebnisse der deutschen Fachöffentlichkeit vor.