Der Frankfurter Arbeitskreis für Psychoanalytische Pädagogik e.V. (FAPP) wurde 1983 von einer Gruppe von Pädagogen und Psychoanalytikern gegründet, die es sich zum Ziel gesetzt hatten, Psycho-analytische Pädagogik nicht nur im erziehungswissenschaftlichen Studiengang der Universitäten, sondern darüber hinaus für praktizierende Pädagoginnen und Pädagogen, aber auch für andere Berufsgruppen zugänglich zu machen.

Initiator war Aloys Leber, Psychoanalytiker und Professor am Institut für Sonder- und Heilpädagogik der Frankfurter Universität. Er hatte Hans-Georg Trescher und mich mit Thomas Ettl, Urte Finger-Trescher, Ulrike Koester und Elise Weiß zu einer Art Gründungsgruppe eingeladen, um zunächst den an der Psychoanalytischen Pädagogik interessierten Studierenden auch nach dem Abschluss ihres Studiums eine geistige „Heimat“ zu bieten.

Es gelang uns, einen Verein zu gründen, dem über lange Jahre Hans-Georg Trescher und Urte Finger-Trescher vorstanden. Bald kamen zu der Entwicklung eines Weiterbildungscurriculums und der Organisation des berufsbegleitenden Weiterbildungsangebotes neue Aufgaben hinzu: Die Gründung des Jahrbuchs für Psychoanalytische Pädagogik und der Reihe Psychoanalytische Pädagogik. Aloys Leber konnte dafür den Matthias-Grünewald-Verlag gewinnen, der bis zur Übernahme durch Hans-Jürgen Wirth vom psychosozial-Verlag beide Buchprojekte realisierte. Zuvor hatten wir bei der Zeitschrift Theorie und Praxis der Sozialpädagogik (TPS) eine Art programmatische Serie etablieren können: Szenen aus dem Kinderalltag (pdf-Format) . Der damals verantwortliche Rdakteur, Egbert Haug-Zapp, hat die Serie einfühlsam begleitet und mit einem abschließenden Kommentar (pdf-Format) versehen. Bis heute sind danach zahlreiche Beiträge von mir und anderen FAPP-Mitgliedern in TPS veröffentlicht worden.

Ulrike Koester und ich hatten Aloys Leber für die Supervision des HSFK-Spielgruppenprojekts gewinnen können. Er beautragte Hans-Georg Trescher und mich mit der Durchführung der DAGG-Jahrestagung in Frankfurt „Die Bedeutung der Gruppe für die Sozialisation“. Damit waren „Bande“ geknüpft, die von einer professionellen Kooperation zu einer lebenslangen Freundschaft reichten. Nach Abschluss meiner gruppenanalytischen Ausbildung in Tiefenbrunn bei Göttingen unter der Leitung von Karl König übernahm ich im Rahmen des Weiterbildungskonzepts (Theorie, Selbster-fahrung und Supervision) einen Jahrgang als Supervisor (zusammen mit Annelinde Eggert Schmid-Noerr als Selbsterfahrungsleiterin) und hielt zahlreiche Theorieveranstaltungen bei anderen Gruppen ab. Außerdem war ich in zahlreiche Abschlusskolloquien eingebunden.

Seit 1984 also bietet der FAPP psychoanalytisch-pädagogische Fort- und Weiterbildungen für Fachkräfte in sozialen und pädagogischen Arbeitsfeldern an. Es handelt sich dabei um postgraduale berufsbegleitende Fort- und Weiterbildungsgänge, die eine breit gefächerte handlungsbezogene Qualifikation für viele Bereiche der Sozialen Arbeit und Pädagogik vermitteln. Dabei nimmt neben der Qualifikation für die konkrete Arbeit am Fall auch die Vermittlung von professionellen Schlüsselqualifikationen wie
– Team- und Gruppenfähigkeit
– Reflexives Fallverstehen
– Kompetenz zur konzeptionellen Weiterentwicklung
– organisatorische und institutionelle Kompetenz
einen hohen Stellenwert ein.

Die Fort-und Weiterbildungs-Angebote des FAPP vermitteln explizit eine sozial- und heilpädagogische Qualifikation auf psychoanalytischer Grundlage. Kolleginnen und Kollegen aus dem Sozial- und Bildungswesen können sich somit für ihr angestammtes Berufsfeld weiterbilden, sei dieses in der Jugendhilfe, in der Krankenhaussozialarbeit, in der Betreuung von MigrantInnen, in der Familienberatung, in der Kinder- und Jugendpsychiatrie oder auch in der Schule angesiedelt. Die Angebote konzentrieren sich in ihren praxisbezogenen Einheiten auf die konkrete berufliche Arbeit der einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Auf den historischen Kontext der FAPP-Gründung und die anschließenden Aktivitäten geht vor allem Wilfried Datler in seinem Buch: Bilden und Heilen. Auf dem Weg zu einer pädagogischen Theorie psychoanalytischer Praxis, Mainz 1995, S. 77 ff. (Die „Renaissance“ psychoanalytischer Pädagogik nach 1980) ein.