George Devereux‘ Angst und Methode in den Verhaltenswissenschaften ist eines der Bücher, die mich sehr beeindruckt haben, nicht so sehr seiner wissenschaftstheoretischen Überlegungen wegen, sondern wegen der Beispiele, die er gewählt hat: Unterschiedliche Sichtweisen von Männern und Frauen auf das gleiche Thema. Sein Buch ist eine Anregung von vielen weiteren gewesen, in meinen Forschungen immer auch die geschlechtsspezifische Perspektive im Auge zu behalten.

Ich habe zahlreiche Projekte durchgeführt, in denen ich mich mit reinen Frauengruppen konfrontiert sah (Grundschullehrerinnen, Erzieherinnen), von daher lagen mir – was mir erst sehr viel später bewusst wurde – die kleinen (ungeliebten) Jungen am Herzen, für die ich um Verständnis nachsuchte. Erst später hatte ich auch mit reinen Männergruppen zu tun (Polizisten, Offiziere). Es war sehr beeindruckend für mich, die Erfahrungen beider Geschlechtsgruppen im Zusammenhang mit dem Thema Gruppe in den Blick zu bekommen. Und auch im Bereich Entwicklungspsychologie wurde mir dieses Thema immer wichtiger. Hier hat mich besonders das Buch von Bruno Bettelheim Die symbolischen Wunden bereichert.

In zwei meiner Fortbildungsstudien habe ich das Thema Geschlechterverhältnis dann explizit zum Gegenstand der Forschung gemacht: Gleichstellung von Jungen und Mädchen und Leitung in Einrichtungen für Kinder.

Wie ich das Thema Geschlechterverhältnis verarbeitet habe, ist in der folgenden Auswahl von Veröffentlichungen nachzulesen:

mit Gudrun Nagel:
Alles Machos und Zicken? Zur Gleichstellung von Jungen und Mädchen in Kindertageseinrichtungen, Seelze-Velber 2003, 176 S.

Alles Machos und Zicken?

Die Gleichstellung von Jungen und Mädchen in Kindergärten und Horten ist ein häufig propagiertes und wenig erforschtes Thema. Die Fortbildungsstudie „Haus Europa – Gleichstellung von Jungen und Mädchen“, die von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung durchgeführt wurde, ist den konzeptionellen und praktischen Gleichstellungsfragen differenziert nachgegangen. Die Texte in diesem Band beleuchten persönliche, institutionelle und kulturelle Aspekte der Gleichstellung, erörtern typische Problemsituationen und vermitteln Erfahrungen mit geschlechterbewussten Erziehung im Kita-Alltag, auch in Frankreich und England. Es bereichert in innovativer Weise eine Diskussion, in der die Entwicklungsbedürfnisse beider Geschlechter noch zu wenig Beachtung finden.

Leitungsfunktion und Lebensgeschichte .Frauen und Männer in Kindertageseinrichtungen, Neuwied 1994, 144 S.

Leitungsfunktion und Lebensgeschichte

In der Industrie macht man sich schon seit längerem Gedanken über Merkmale und Vorteile weiblichen Führungsstils. Im Bereich sozialer Dienstleistungen beginnt man erst allmählich der Frage nachzugehen, wie sich weibliche und männliche Führungsqualitäten voneinander unterscheiden und wie sie sich konstruktiv aufeinander beziehen lassen. In Einrichtungen für Kinder üben häufig Frauen Leitungsfunktionen aus. Ihre Vorgesetzten, die Träger der Einrichtungen, werden in der Regel von Männern repräsentiert. In der Begegnung dieser Frauen und Männer sind noch am ehesten Hinweise auf Probleme und Chancen geschlechtsspezifischer Kooperation zu erwarten. In diesem Sinne vermittelt das vorliegende Buch Ergebnisse und Erkenntnisse einer Fortbildungsstudie, in der die Teilnehmer weniger als Objekte von Fortbildung, sondern vielmehr als Forschende die Innenverhältnisse ihrer wechselseitigen Beziehung offen gelegt haben.

mit Marianne Dittmann:
Brave Mädchen, böse Buben? Weinheim 1992, 190 S.

Brave Mädchen, böse Buben?

Angeboren oder erworben – immer noch wird heftig gestritten, was mit Erziehung in Sachen Geschlecht zu erreichen sei: Was kann man heute zur Entwicklung geschlechtsspezifischer Identität, zum Verhältnis von Jungen und Mädchen sagen, wie zeigt sich ihr Verhältnis im Kindergarten- und Grundschulalltag, wie wird es in Bilderbüchern und Spielzeug dargestellt, und was kann man tun, um Erziehern und Lehrern geschlechtsspezifische Erziehung näher zu bringen? In diesem Buch berichten Lehrer/-innen und Erzieher/-innen aus ihrem pädagogischen Alltag, schreiben Wissenschaftler und Journalisten über die Beziehung zwischen Jungen und Mädchen und stellen Erwachsenenbildner Fortbildungskonzepte zum Umgang mit diesen Beziehungen vor. Abgerundet wird der Band durch eine Empfehlung von Büchern für Mädchen und Jungen, die ein anderes Bild von Weiblichkeit zeigen.