Die Anfänge meiner Beschäftigung mit Jugendmedienschutz liegen in der Auseinandersetzung mit dem Thema „Kriegsspielzeug“. Als ich meine Forschungsarbeit in der HSFK begann, herrschte gerade eine große Aufregung darüber, dass schon sehr kleine Kinder ein scheinbar militaristisches Verhalten zeigten, indem sie ungehemmt von Militaria-Spielzeug fasziniert waren. Auch die immer wiederkehrenden Schießorgien bei Faschingsfesten, die Erzieherinnen in Kindertagesstätten, aber auch viele Eltern – vor allem friedenspädagogisch engagierte – damals irritierten, zwangen mich zur Diskussion um den „Schutz“ der Kinder. Ich befand mich allerdings in einer „Einzelkämpferposition“ vor allem deshalb, weil man von mir als „Friedensforscher“ eine verbietende Haltung erwartete und ich mit meinem Ansatz, für ein Verständnis der kindlichen Phantasietätigkeit zu werben, in den Gegensatz zu den Thesen und Aktionen des Tübinger Vereins für Friedenspädagogik geriet.

Heute befindet sich die Diskussion um Kinder und Jugendliche und fiktionale Gewalt in der Öffentlichkeit in weit gemäßigterem „Fahrwasser“ (Text im pdf-Format) und hat sich auf die Computerspiele und jugendgefährdende Inhalte im Internet verlagert. Die grundsätzlichen Argumente sind die gleichen geblieben, immer noch steht das Kind, der Jugendliche als „Täter“ im Vordergrund, wird von dem abgesehen, was sie bis dato erlebt haben. Die grundsätzliche Haltung der deutschen Gesellschaft gegenüber Kindheit und Jugend hat sich nur wenig verändert. Aber lediglich die Politik bedient sich noch strikt prohibitiver Thesen immer dann, wenn mal wieder „ein Kind in den Brunnen gefallen ist“, d.h. wenn ein Jugendlicher z.B. Amok läuft . Meine wissenschaftliche Haltung hat sich zumindest in den Publikationen der Fachöffentlichkeit widergespiegelt und ich konnte sie auch praktisch zur Geltung bringen, etwa im Kuratorium der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen.

Hier einige meiner Veröffentlichungen zum Thema:

Christian Büttner/Joachim von Gottberg (Hg.)
Staatliche Kontrolle und selbstregulative Steuerung
Demokratische Willensbildung am Beispiel des Jugendmedienschutzes
Frankfurt 2002

taatliche Kontrolle und selbstregulative Steuerung

Freie Information durch Medien ist eine Grundvoraussetzung moderner Demokratien. Medien vermitteln jedoch auch Inhalte, die sich gegen Grundwerte des Staates richten. Am Beispiel Jugendmedienschutz werden die rechtlichen und institutionellen Probleme der Medienkontrolle aufgezeigt und untersucht, wie Formen der Selbstregulierung und der staatlichen Aufsicht in ein demokratisches Verhältnis gebracht werden können.

Von der Realität überholt? Mediale Gewalt und Jugendschutz in gesellschaftlicher Verantwortung, HSFK-Report 7/2002, 40 S.

Von der Realität überholt?
(pdf-Format)

Die Ereignisse von Erfurt haben das Thema auf die Tagesordnung gebracht: Welche Rolle kann und soll die Freiwillige Selbstkontrolle der Sender bei der Umsetzung des Jugendmedienschutzes spielen? Laut Rundfunkstaatsvertrag lag die Aufsicht über kinder- und jugendgefährdende Fernsehinhalte bisher bei den Landesmedienanstalten. Für den Autor ergeben sich aus der Übertragung der Verantwortung im Jugendschutz zwei Optionen: eine effektivere Prüfung von medialen Produkten sowie ein notwendiger Diskurs über deren wissenschaftliche Begründungen. Angesichts der Entwicklung des internationalen Medienmarktes müssen auch in dieser Frage europäische Antworten gefunden werden. Hierfür bietet ein Überblick über die verschiedenen entwicklungspsychologischen Konzepte in anderen EU-Ländern Vergleichsperspektiven. Den Bestrebungen einer immer differenzierteren Altersabstufung wird dabei in diesem Report ein zweistufiges Modell gegenüber gestellt, welches davon ausgeht, dass Begrenzungen und Verbote für Kinder aus anderen Gründen plausibel sind als gegenüber Jugendlichen. Weitere Differenzierungen wären nur in Einklang mit einer konsequenten Erziehungspraxis im familiären Medienverhalten sinnvoll. Diese mit dem Jugendmedienschutz zusammenhängende Verantwortung kann jedoch nicht von den Eltern allein wahrgenommen werden; auch gesellschaftliche Gruppen sind gefordert, sich im Rahmen eines demokratischen Konsenses über Normen und Rituale öffentlich zugänglicher Informationen zu verständigen.