BundestagDie Friedensfähigkeit von Demokratien wird u.a. auch davon bestimmt, wie im innerdemokratischen Spannungsfeld von individuellem Nutzenkalkül und Gemeinwohlorientierung im Verlauf der Sozialisation die Fähigkeit an die nachwachsenden Generationen vermittelt wird, Konflikte demokratisch auszutragen. Zu den dabei relevanten Forschungsfeldern gehören sowohl die Bereiche, in denen grundlegende Fähigkeiten demokratischen Handelns hergestellt, herausgebildet und gefördert werden können, als auch die Bereiche, in denen demokratisches Probehandeln in alltäglichen Konfliktsituationen möglich ist. Dies betrifft demokratisch organisierte Formen der Selbstverwaltung in öffentlichen Bildungseinrichtungen sowie Kinder- und Jugendparlamente und andere Lernmodelle von „Räumen“, in denen eigene Konfliktlösungsstrategien entwickelt bzw. ausprobiert werden können.

Ob und wie im einzelnen der Lebensweg von Kindern im Sinne einer Unterstützung bei der Entwicklung demokratischer Verhaltensfähigkeiten von einer entsprechenden Pädagogik begleitet wird und welche Weiterentwicklungen pädagogischer Handlungsqualitäten notwendig sind, wurde an Hand von explorativen Einzelstudien herausgefunden werden.

Das HSFK-Projekt „Demokratie leben lernen“

In einer ersten Teilstudie dienten öffentliche Spielräume als Untersuchungsfeld für demokratische Erfahrungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen. Gefragt wurde nach den Auswirkungen von Interessengegensätzen zwischen Kindern und Erwachsenen und den angebotenen Möglichkeiten ihres Aushandelns in der Kommunalpolitik. Hier kamen vor allem qualitative Methoden der Sozialforschung zum Einsatz (Interview und Beobachtung). Die Teilstudie ist inzwischen abgeschlossen (Veröffentlichung der Ergebnisse siehe Büttner/Meyer 2004).

In einer zweiten Teilstudie wurden im Rahmen eines Fortbildungsstudien-Settings (Kombination von Fortbildungsmethoden mit Forschungselementen) mit Pädagoginnen und Pädagogen Antworten darauf gesucht, welche Voraussetzungen und Grenzen in Bildungsinstitutionen maßgeblich darüber entscheiden, ob und wie Interessenkonflikte zwischen Erwachsenen und Kindern sich entwickeln und lösen lassen.

In einer dritten Teilstudie wurde empirisch untersucht, welche Erfahrungen Kinder mit Interessengegensätzen in ihrer alltäglichen Lebenswelt machen. Anhand von teilnehmender Beobachtung, Videografien und narrativen Interviews wurde herausgefunden, welche Situationen mit welchen Kindern und Erwachsenen entscheidend für Motivation und Engagement in Problemen sind, die für Partizipation und persönliches Engagement eine Rolle spielen.

Weitere Teilprojekte