1998 verabredete die Hessische Polizeischule (Werner Larem, HPS), Wiesbaden gemeinsam mit dem Hessischen Sozialministerium (HSM, Maria Terzopoulou) ein Trainingsprojekt mit der folgenden Aufgabenbeschreibung:

„Fachlehrerinnen und Fachlehrer der Hessischen Polizeischule sollen in die Lage versetzt werden, Migration in alle Felder der Fortbildung als integralen Bestandteil einzubeziehen. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer soll ein ganzheitliches Konzept angeboten werden. Integration und Migration als Querschnittaufgabe soll in der täglichen Arbeit Berücksichtigung finden“.

Die Entwicklung des Trainingskonzeptes sowie die Begleitung der Trainings wurden ausgeschrieben. Die Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (Christian Büttner, HSFK) beteiligte sich an dieser Ausschreibung mit einem Projektvorschlag, in den Erfahrungen mit der Evaluation eines EU-Modellprojekts NGOs and Police against Prejudice des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt (AmkA) eingegangen waren. In diesem Modellprojekt hatten Frankfurter Polizeibeamte an interkulturellen Trainings teilgenommen. Das Projekt hatte die Möglichkeit eröffnet, die besonderen Chancen und Probleme von interkulturellen Polizeitrainings weltweit zu diskutieren und praktische Erfahrungen mit Trainingskonzepten in unterschiedlichen Polizeiorganisationen auszutauschen.

Mein Projektvorschlag stellte in der Trainingskonzeption die persönliche Erfahrung von Fremdheit am Beispiel der Begegnung mit Migranten vor Ort in den Mittelpunkt. Er versuchte zugleich, relevante Bereiche der Polizeiorganisation im Rahmen des Möglichen in die detaillierte Konzepterstellung einzubinden. Dem lag die (kanadische, s. Monica Rosenzweig-Armour, und holländische) Erkenntnis zugrunde, dass es neben der kollegialen Kooperation in der Umsetzung interkultureller Kompetenz eine Unterstützende auf allen Ebenen der Polizeiorganisation bedarf – nicht zuletzt deshalb, weil die Öffentlichkeit in der BRD der Migration immer noch (und nach den neuesten Terroranschlägen verstärkt) ambivalent gegenübersteht.

Dem Trainingskonzept lag auch die Erfahrung zugrunde, dass es einer bi- bzw. multikulturellen Trainerzusammensetzung bedarf, um den Qualitätsanforderungen an interkulturelle Trainings gerecht zu werden. Zudem musste gewährleistet sein, dass in der Trainerkompetenz auch die Kenntnis der Polizeiorganisation sowie der Polizeiarbeit repräsentiert ist. Dies führte zur Bildung eines Trainerpools, in den sowohl Migranten als auch polizeiinterne und -externe deutsche Trainerinnen und Trainer aufgenommen wurden (Martina Emme, Virginia Greiner, Gudrun Nagel, Nassif Kahlil). Zudem konnte mit Michael Meurer ein Polizeitrainer aus einem anderen Bundesland zur Mitarbeit gewonnen werden, dessen spezielle Professionalität die Qualitätssicherung in Trainings und Fortbildungen gewährleistet. Die Trainings wurden zudem von einer externen Evaluatorin begleitet (Claudia Eilles-Matthiessen).

Das detaillierte Trainingskonzept wurde in dem Trainerpool und in Zusammenarbeit mit einer Projektgruppe mit fachkundigen Teilnehmern entwickelt, die Erfahrungen im Anschluss an die einzelnen Trainingssegmente (Seminare) unmittelbar nach ihrer Durchführung diskutiert und modifiziert. Die Trainingserfahrungen (Trainerperspektive), die Evaluationsergebnisse sowie die Erfahrungen der Fachschullehrer (Teilnehmerperspektive) wurden nach dem letzten Training in einer abschließenden Projektgruppensitzung vorgestellt und bewertet.

Eine Lenkungsgruppe, der der Leiter der HPS, eine Vertreterin des HSM und der zuständige Mitarbeiter des Hessischen Ministeriums des Inneren und für Sport sowie ich als Projektleiter der HSFK angehörte, bereitete die Projektgruppensitzungen vor und begleitete die einzelnen Arbeitsschritte. Insgesamt wurden drei Trainings an der HPS durchgeführt. Sie enthielten im Wesentlichen die gleichen Trainingselemente (Seminare) und waren von verschiedenen Teams geleitet worden. Das erste Training im Sommer 2000 stand unter dem Vorzeichen, einerseits „unbekanntes Terrain“ zu betreten, andererseits in einer Art „Vorreiterrolle“ sich vor allem an Fachlehrer aus dem Bereich „Verhaltensorientierte Fortbildung“ zu richten. Zwar waren die Trainings als Veranstaltungen mit freiwilliger Teilnahme angekündigt worden, es war aber auch klar, dass von Mitgliedern dieses Fachbereichs in besonderem Maße ein Engagement erwartet wurde. Nach Abschluss des ersten Trainings fand in der Lenkungsgruppe eine Bewertung des Trainingsgeschehens statt. Als Ergebnis wurden zwei weitere Trainings mit der entsprechenden Begleitung durch den Trainerpool und die weitere Evaluation geplant. Die ursprünglichen Trainingskonzepte wurden in diesem Zusammenhang überarbeitet, und es gingen die aus der Evaluation gewonnenen Erkenntnisse in die Revision des Konzeptes ein.

Das zweite und dritte Training wurde nahezu zeitgleich durchgeführt. In beiden Trainings wurde der Schwerpunkt auf die Unterrichtssituation gelegt, und es konnte erreicht werden, dass das Interesse für eine Integration der interkulturellen Thematik in konkrete Ideen umgesetzt wurde und die Teilenehmerinnen und Teilnehmer ihre grundsätzliche Sensibilität für unterschwellige Fremdenfeindlichkeit weiter entwickelten. Alle drei Trainings haben somit das Trainingsziel erreicht.

Im Ergebnis führen die Trainings und der Entwicklungsprozesse vor allem zu einer Schlussfolgerung: Ziele und Methoden müssen an die Teilnehmergruppen und die Bedingungen der Organisation jeweils angepasst werden. Man kann nicht ein Trainingsformat gewissermaßen ohne Rücksicht auf Ziel und Zielgruppe auf Verhältnisse übertragen, in denen sie nicht entwickelt wurden. In einer weiteren Fortführung für andere institutionelle Belange wird es daher darum gehen müssen, die Bedingungen für die Trainingsfelder neu zu erfassen, neue Trainingskonzepte zu entwickeln und die dafür notwendigen Trainerqualifikationen neu zu bestimmen.

Konzept und Trainingserfahrungen im Detail sind in zwei Dokumentationen beschrieben worden.