(mit Ute Volmerg)

Diese Projekt bildete die Grundlage für verschiedene Ideen, die ich in den nachfolgenden Projekten weiterentwickelte: die Begleitung der wissenschaftlichen Arbeit durch Supervision (Supervisor: Willi Baumann, Frankfurt), die Datenerhebung im Rahmen von Fortbildungsseminaren und die systematische Auseinandersetzung mit dem Thema Video in der Forschungsarbeit, Gruppe, Institution und Berufsbild. In Forschungsseminaren mit Polizisten, Bundeswehroffizieren, Hauptschullehrern und Sozialamtsmitarbeitern waren wir z.T. hautnah in den jeweiligen Berufsfeldern präsent und konnten unsere wissenschaftliche Ansprüche an den Praxisbedingungen messen. Unvergesslich wird mir die Erfahrung bleiben, wie sicher ich mich hinter der Barriere einer Polizeikaserne gefühlt habe, in der wir mit Bereitschaftspolizisten zusammenarbeiteten; oder welcher „Korpsgeist“ uns abends beim Bier mit den Offizieren umgab; oder wie die Lehrer immer wieder versuchten, den von uns den vorgegebenen Sitzkreis in der Seminararbeit in ein Frontalsetting zu verwandeln; oder welche Rolle die Theke in der Sozialamtsarbeit spielte, mit der man sich die Klienten vom Leibe halten kann… Insofern mag der folgende Text zum Projekt aus den HSFK-Mitteilungen eher etwas nüchtern klingen:

Wirken alternative Ideen zu Arbeits- und Lebensformen, zu Sicherheitskonzepten und ökonomischen Krisen in traditionelle Institutionen hinein? Können Begegnungen zwischen Vertretern der Alternativbewegung und Mitarbeitern in Institutionen zu Veränderungen in diesen Institutionen führen? Welche Momente dieser Begegnungen provozieren eher Polarisierungen im Sinne von Ausgrenzung, Ablehnung und Gewaltanwendung , und welche ermöglichen Zusammenarbeit und Auseinandersetzung mit Alternativen?

...konfrontiert mit Punkern

Diese Fragen wurden in Fortbildungsseminaren exemplarisch für solche Mitarbeiter in Institutionen beantwortet, die unmittelbar mit der Alternativ- und Protestbewegung in der Bundesrepublik konfrontiert sind (Bereitschaftspolizisten , Jugendoffiziere , Hauptschullehrer und Mitarbeiter sozialer Dienste). über die institutionellen Vorschriften und Vorgaben hinaus stellen diese Berufsgruppen einen wichtigen normativen Bezugsrahmen dar, der über die Integrationschancen alternativer Werte in traditionelle Institutionen mitentscheidet.

In den Seminaren wurde von Konfrontationen berichtet, etwa von Bereitschaftspolizisten mit Demonstranten, und in Rollenspielen Begegnungen mit Vertretern der alternativen Bewegungen nachempfunden, etwa bei den Mitarbeitern sozialer Dienste mit Jugendlichen, die versuchten, Geld für ein alternatives Buchladenprojekt beim Jugendamt zu bekommen. Diese Seminararbeit bot über eine Beschreibung gesellschaftlicher Konflikte hinaus ein Lernfeld für das Erkennen der Ursachen von Polarisierungen und für das Entwickeln von Handlungsalternativen, die die Chancen zukünftiger Integration verbessern könnten.

...konfrontiert mit Kriegsdienstverweigerern

Aus den Lernerfahrungen und Analysen werden grundsätzliche Konsequenzen für Fortbildung zu gesellschaftlich-institutionellen Konflikten gezogen. Vorsichtige politische Schlussfolgerungen beantworten die Frage, wovon zukünftige integrative oder polare Entwicklungen in der gesellschaftlichen Konfrontation zwischen Institutionen und Bewegungen abhängig sein können .Demnach hemmen vor allem starre hierarchische Denk- und Handlungsstrukturen eine konstruktive Auseinandersetzung mit Bewegungen. Die Angst vor Veränderung im Sinne lebensfreundlicher, unterstützender und wertschätzender Prinzipien ist offenbar besonders dort ausgeprägt, wo primär Männer mit institutionellen Aufgaben betraut sind. Nicht nur eine gleichmäßige Quotierung könnte hier weiterhelfen, sondern auch eine wechselseitige Annäherung an spezifische Denk- und Handlungsmöglichkeiten von Männern und Frauen.

Mehrere Veröffentlichungen sind aus dem Projekt hervorgegangen:
Ute Volmerg: Die alternative Herausforderung, Frankfurt 1990, Gewalt vermeiden in gesellschaftlichen Konflikten, zwei Reports und verschiedene Zeitschriftenaufsätze.