(mit Ulrike Koester)

Als Ergebnis meines ersten Projektes an der HSFK (Strategien und didaktische Elemente…) konnten wir festhalten, dass Beobachtung und Einfühlung in die Adressaten von Pädagogik für die Gestaltung von Interventionen ebenso wichtig ist, wie die Vermittlung dieser Erkenntnisse an die Pädagogen selbst. Um in einem geeigneten Setting solche Interventionen auszuprobieren und Fortbildungsstrategien zu entwickeln, haben Ulrike Koester und ich zunächst zwei Spielgruppen an der Friedrich-Ebert-Schule in Offenbach eingerichtet. Diese Schule hatte damals ein Einzugsgebiet, das Kinder aus einem Mittelschichtmilieu und Kinder aus dem Randgruppengebiet Lohwald-Siedlung umfasste.

Der Spielgruppenraum
Der Spielgruppenraum

Anregungen hatte uns das Buch Therapeutische Spielgruppen von Mortimer Schiffer gegeben. Allerdings wollten wir ausdrücklich keine therapeutische Arbeit anbieten, sondern pädagogische Modifikationen entwickeln, wie sie auch von nicht-therapeutisch ausgebildeten Pädagogen angewandt werden können. Für die wissenschaftliche Kontrolle unserer Spielguppenarbeit konnten wir den Frankfurter Psychoanalytiker Aloys Leber gewinnen, der den Schwerpunkt auf das Medium Gruppe in der pädagogischen Arbeit legte.

Parallel zu der Spielgruppenarbeit etablierte Ulrike Koester in ihrer Schulklasse Spielstunden, die einmal wöchentlich stattfanden. Zu dieser Zeit war das Thema Spielen in der Schule en vogue, so dass wir mit unseren Reflexionen dort anknüpfen konnten. Eine erste Publikation entstand in diesem Kontext: Spielerfahrungen mit Schülern.

Spielstunden im Unterricht
Spielstunden im Unterricht

Die Spielgruppenarbeit war auf drei Jahre angelegt. Es gelang, die Kinder, die von einer Sonderschuleinweisung u.a. auch wegen aggressiven Verhaltens bedroht waren, in ihren Klassen zu halten. Auch ihre Lehrer änderten nach und nach ganz allgemein ihre Haltung gegenüber den Kindern ihrer Klasse, sie wurden aufmerksamer auf die besonderen individuellen Äußerungsformen der Kinder und sie wurden geduldiger und kompromissbereiter gegenüber ihren didaktischen Aufgaben.

Im Rahmen der Hessischen Lehrerfortbildung hatten Ulrike Koester und ich bereits gruppendynamische Grundkompetenzen in der Seminarreihe Liebe – Angst – Aggressionen erwerben können, die wir nun mit dem Thema Spiel verknüpften. In zahlreichen Lehrerfortbildungsseminaren entwickelten wir nach und nach ein Setting zur Vermittlung der Kompetenz, auf Körper-, Sprach- und Gruppensignale zu achten, um angemessene Interventionen für die Unterstützung von Gruppenprozessen in Schulklassen zu planen und die Ergebnisse fachkundig zu reflektieren.

Die Basistexte für diese Fortbildungsarbeit boten wir in einem beim Beltz-Verlag erschienenen Reader an: Blinde Liebe – blinder Haß. Außerdem entstanden zahlreiche Aufsätze zum Thema. Die Fortbildungssettings entwickelte ich im Rahmen meiner Lehraufträge am Institut für Didaktik der Elementar- und Primarstufe der Universität Frankfurt sowie an der Fachhochschule Wiesbaden weiter.