(mit Magdalena Kladzinski)

Bildschirmmedien sind in den heutigen Demokratien zu Instrumenten der politischen Wirklichkeitskonstruktion geworden und spielen eine wichtige Rolle für die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen, für das Alltagswissen der Bürger und für die Entscheidungsfindung in Politik und Gesellschaft. Für die politische Bildung in Demokratien ist deshalb von Bedeutung, wie sich in diesem Zusammenhang das Hineinwachsen von Jugendlichen in ein sachgerechtes und demokratisches Handeln gestaltet und wie ihre Entscheidungsfindung dadurch beeinflusst wird.

Mediale Darstellung von Politik und Krieg in Nachrichten, Kriegsfilmen und Computerspielen für ein Massenpublikum erfolgen mehr nach den dramaturgischen Regeln der jeweiligen Präsentationsform als nach Regeln einer realitätsgetreuen Vermittlung. Da Massenmedien mit Selektionskriterien arbeiten und dadurch die Komplexität der Verhältnisse reduzieren, werden auch die politisch-militärischen Prozesse verstellt und höchst unvollkommen, ja manchmal geradezu fragwürdig abgebildet. Fiktionale Sendungen (z.B. Kriegsfilme) und Computerspiele dagegen können Ansichten über Politik unterstützen, wie sie als eine Art Laienwissen über die Verhältnisse von Militär, politischer Macht und Volk in unterschiedlicher Weise bei verschiedenen demokratischen Interessengruppen vorherrschen.

In Form eines e-learning Zugangs und in der didaktischen Aufbereitung dessen, was über den Zusammenhang von Bildschirmmedien, Krieg und Demokratie auf wissenschaftlicher Grundlage heute diskutiert wird, wurden in dem Projekt Vorschläge zur politischen Bildung Jugendlicher realisiert. Diese wurden in Form einer DVD für den politischen Unterricht an Schulen und für die offene Jugendarbeit konzipiert.

Kooperationspartner der HSFK waren:

– ProSiebenSAT.1
– Bundeszentrale für politische Bildung
– Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen
– Medienanstalt Berlin-Brandenburg

Dieses Projekt hatte eine extrem lange Vorlaufzeit, weil es darum ging, äußerst unterschiedliche Kooperationspartner zusammenzubringen. Als das Projekt insgesamt zu scheitern drohte, entschloss ich mich, die bis dahin geleisteten Vorarbeiten (wissenschaftliche Expertise von Magdalena Kladzinski) in einem Sammelband mit weiteren Texten zu veröffentlichen, die dem Ziel des gesamten Vorhabens entsprachen. So entstand das mit Joachim von Gottberg und Magdalena Kladzinski gemeinsam herausgegebene Buch Krieg in Bildschirmmedien.

Das Projekt ist abgeschlossen, die DVD konnte Dank des Engagements der Freiwillgen Selbstkontrolle Fernsehen fertig gestellt werden:

DVD-ROM „KRIEG IN DEN MEDIEN“

– Ein multimediales Lernangebot für Schule und Jugendarbeit

Unsere Vorstellung vom Krieg basiert weitgehend auf Informationen aus den Medien. Weder bei Fiktion noch bei der Berichterstattung ist hierbei immer erkennbar, welche Absichten hinter den Bildern stecken, ob seriös recherchiert oder mittels Propaganda manipuliert wurde.

Krieg in den Medien

Mit der DVD-ROM „Krieg in den Medien“ soll der Blick auf reale Kriege und deren mediale Inszenierung geschärft werden. Es geht sowohl um die Vermittlung von Wissen als auch um die Förderung von Medienkompetenz. Die DVD hilft Lehrerinnen und Lehrern in der Sekundarstufe I und II, Ursachen und Folgen von Krieg deutlich zu machen und bietet Angebote, um die komplexe Interaktion von Wirklichkeit und Medien zu verstehen. Dabei werden die interaktiven Lernmöglichkeiten der DVD-Technik genutzt.
Die DVD setzt sich mit der Darstellung des Krieges in Nachrichten, Filmen und Computerspielen auseinander. Neben ca. 250 Beispielen beinhaltet „Krieg in den Medien“ eigens für die DVD geführte Experteninterviews. Befragt wurden u. a. der Politikwissenschaftler Prof. Herfried Münkler, die Journalistin Bettina Gaus und die Kriegsreporterin Antonia Rados. Darüber hinaus ermöglichen unterrichtsrelevante Aufgaben eine aktive und motivierte Auseinandersetzung mit dem Thema.
Bei der Erstellung der DVD haben mehrere Institutionen zusammengearbeitet: Die Bundeszentrale für politische Bildung übernahm die fachliche Betreuung, die Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) lieferte das wissenschaftliche Ausgangsmaterial, ein Team der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen e.V. (FSF) konzipierte die DVD und stellte das Material zusammen, das Institut für Bildung in der Informationsgesellschaft (IBI) übernahm die didaktische Beratung und die Konzeption des Lehrerbegleitheftes.
Zu beziehen ist die DVD-ROM „Krieg in den Medien“ bei der Bundeszentrale für politische Bildung in den Medienzentren in Bonn (Adenauerallee 86, 53113 Bonn) und Berlin (Anhalter Straße 20, 10963 Berlin) und unter www.bpb.de/publikationen.

Am 20. Juni vergab die Gesellschaft für Pädagogik und Information (GPI) in Berlin die Comenius-EduMedia-Auszeichungen, die deutschland- und europaweit bedeutendsten Auszeichnungen für didaktische Multimediaprodukte. Eingereicht wurden in diesem Jahr 190 Bildungsmedien (CD-ROMs, DVDs, Internetportale) aus ganz Europa. Die DVD „Krieg in den Medien“ erhielt im Rahmen dieser Veranstaltung nicht nur das Comenius-EduMedia-Siegel, das den Produzenten „besondere didaktische und mediale Qualität“ bescheinigt, sondern wurde darüber hinaus mit einer Comenius-EduMedia-Medaille für „herausragende exemplarische Multimediaprodukte“ ausgezeichnet. Die Laudatio wurde von Frau Dr. Ute Szudra (GPI) gehalten.

Von der Europäischen Gesellschaft für Bildung und Kommunikation (ESEC) wurde für die DVD der Erasmus EuroMedia Spezial Award in der Kategorie „Discourse and Politics“ verliehen. Die feierliche Zeremonie fand am 10. Oktober 2008 im Wiener Rathaus statt.