herausgegeben von Christian Büttner und Hans-Georg Trescher
im Matthias-Grünewald Verlag, Mainz

Christian Büttner
Gewalt vermeiden in gesellschaftlichen Konflikten
Erwachsenenbildung zur Auseinandersetzung zwischen Institutionen und „neuen Protestbewegungen“
Mainz 1989

Gewalt vermeiden in gesellschaftlichen Konflikten

In der Bundesrepublik hat sich in den letzten Jahren eine neue Konfliktzone zwischen den Alternativbewegungen und staatlichen Institutionen herausgebildet. Welche Momente solcher Begegnungen provozieren eine Polarisierung im Sinn von Ausgrenzung, Ablehnung und Gewaltanwendung, und welche ermöglichen Zusammenarbeit und inhaltliche Auseinandersetzung?
Diese Fragen wurden exemplarisch für Bereitschaftspolizisten, Jugendoffiziere, Hauptschullehrerlnnen und Mitarbeiterinnen sozialer Dienste untersucht. Dabei waren Rollenspiele ein wichtiges Lernfeld für das Erkennen der Ursachen von Polarisierungen und für das Entwickeln von Handlungsalternativen. Der vorliegende Band veröffentlicht die Ergebnisse dieses praxisorientierten Projekts. Die psychoanalytische Auswertung der Seminare geht besonders auf die in den Berufsgruppen jeweils spezifisch ablaufenden Prozesse ein, die gewaltfördernde oder -mindernde Tendenzen stützen.

Bernd Niedergesäß
Förderung oder Überforderung?
Probleme und Chancen der außerfamiliären Kinderbetreuung
Mainz 1989

Förderung oder Überforderung?

Viele Eltern haben große Vorbehalte, ihre Kinder schon vor dem 3, Lebensjahr für einige Stunden des Tages außerhalb der Familie zusammen mit anderen Kindern aufwachsen zu lassen. Diese Bedenken bestehen vor allem darin, daß Kinder durch die Trennung von der Familie, besonders von der Mutter, überfordert werden und dadurch in ihrer weiteren Entwicklung Schaden nehmen; Befürchtungen, die auch in zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen geteilt werden.
Zunächst faßt der Autor zusammen, inwieweit sich solche Hoffnungen und Befürchtungen durch bereits vorliegende Untersuchungen belegen lassen, und wertet dann Erfahrungen aus seiner pädagogischen Praxis in einer Krabbelstube aus. Auf diesem Hintergrund zeigt er die Möglichkeiten auf, die Pädagogen auf der Basis eines psychoanalytischen Verständnisses dieses Prozesses haben, auf die Lösungen von Eltern und Kindern unterstützend Einfluß zu nehmen.

Monika Jonas
Trauer und Autonomie bei Müttern schwerstbehinderter Kinder.
Ein feministischer Beitrag
Mainz 1990

Trauer und Autonomie bei Müttern schwerstbehinderter Kinder.

Immer stand die Förderung behinderter Kinder im Mittelpunkt des Interesses, ohne daß die einzelnen Personen einer Familie in ihrem Erleben wahrgenommen wurden, und wenn, dann nur unter dem Gesichtspunkt, wie sich ein bestimmtes Verhalten ändern läßt, um die Förderung noch erfolgreicher zu machen. Diese Ignoranz machte mich zornig, denn in meiner täglichen Arbeit in der Frühberatung erfuhr ich von einer anderen Realität, nämlich der Realität der Mütter.
Aus der Erfahrung als Leiterin einer Frühförderstelle rückt Monika Jonas das subjektive Erleben der Mütter schwerstbehinderter Kinder in den Mittelpunkt, um die psycho-soziale Situation dieser Frauen sichtbar und verstehbar zu machen. Sie beschreibt den Verlust der Mütter in bezug auf das Kind, auf die eigene Identität und auf die sozialen Möglichkeiten und zeigt, welche Bedeutung dem Trauerprozeß in der Bearbeitung des Verlusterlebens zukommt. Um den Müttern Freiräume für ihre autonome Entwicklung und soziale Integration zu schaffen, fordert die Autorin eine Neuorientierung der Frühförderung und klagt ein, daß die Lebenswelten der Mütter, Väter und ihrer behinderten Kinder eine soziale Verantwortung sind.

Hans-Georg Trescher
Theorie und Praxis der Psychoanalytischen Pädagogik
Mainz 1990

Theorie und Praxis der Psychoanalytischen Pädagogik

Psychoanalytische Pädagogik kann mittlerweile auf eine etwa 80jährige Tradition zurückblicken. Ungeklärt jedoch war und ist teilweise auch heute noch der Standort und das Selbstverständnis dieses Wissenschaftszweiges, der sich erst in neuerer Zeit zunehmend als eigenständige (nicht-therapeutische) Anwendung der Psychoanalyse etabliert.
In diesem Buch nimmt Trescher die längst fällige Klärung des Verhältnisses von Pädagogik und Psychoanalyse in Angriff und weist nach, daß es sinnvoll und notwendig ist, beide miteinander in Verbindung zu bringen.
Neben der breiten Darstellung des Forschungsstandes bietet der Autor aufschlußreiche Beispiele, wie sich Psychoanalytische Pädagogik realisieren läßt, wie Pädagoginnen und Pädagogen lernen können, die Beziehung zu ihren Klienten besser zu verstehen und angemessene Handlungsmöglichkeiten zu erschließen. Eine aus reicher pädagogischer Erfahrung entstandene Studie, die neue Perspektiven der Anwendung der Psychoanalyse in der Pädagogik eröffnet.

Christian Büttner/Urte Finger-Trescher/Martin Scherpner (Hg.)
Psychoanalyse und soziale Arbeit

Psychoanalyse und soziale Arbeit

Im Mittelpunkt sozialer Arbeit steht immer die Begegnung von Menschen. Sozialarbeit wird ihrem Auftrag nur gerecht, wenn sie diesem Aspekt die nötige Aufmerksamkeit schenkt, geht es doch in ihren Arbeitsfeldern nicht zuletzt auch um pädagogische Prozesse. Zum ersten Mal wird in diesem Band der Nutzen der Psychoanalyse für Tätigkeitsfelder der sozialen Arbeit sichtbar gemacht. Dabei gehen die Autoren ausdrücklich nicht von einem therapeutischen Verständnis von Psychoanalyse aus, sondern betrachten Beziehungssituationen in der sozialen Arbeit ebenso als Anwendungen von Psychoanalyse wie die therapeutische Begegnung. Neben einführenden Beiträgen, die aus der Sicht von Sozialarbeitern Möglichkeiten, aber auch Grenzen psychoanalytischer Konzepte diskutieren, enthält der Band Vertiefungen und Kontroversen aus der Sicht von Psychoanalytikern und Soziologen. An den Themen ,,Gruppe“ und ,,lnstitution“ werden anschauliche Beispiele für die psychoanalytische Reflexionsweise gegeben.

Helmuth Figdor
Kinder aus geschiedenen Ehen
Zwischen Trauma und Hoffnung
Mainz 1991

Kinder aus geschiedenen Ehen

Daß Kinder unter der Scheidung ihrer Eltern leiden, daß sie verschiedene Symptome ausbilden, ist heute unbestritten. Wie aber wirkt sich eine Scheidung langfristig auf die psychische Entwicklung aus? Welche Gefahren, aber auch welche Chancen birgt sie? Unter welchen Voraussetzungen können Hoffnung wahr und traumatische Auswirkungen auf das spätere Leben vermieden werden? Dieses Buch basiert auf Erkenntnissen, die ein Forschungsprojekt des Instituts für Angewandte Psychoanalyse in Wien ergeben hat. Es beschreibt die individuell verschiedene Psychodynamik des kindlichen Scheidungserlebens in Abhängigkeit davon, welche Hilfestellung das Kind durch die Umwelt (die Eltern) erfährt, und kommt zu der Einsicht, daß sichtbare Symptome nichts über tatsächliche Belastung, Bewältigung und langfristige Auswirkungen aussagen. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Vorgeschichte der Scheidung gelegt. Scheidungsfolgen sind nicht nur 0ls Folge der elterlichen Trennung, sondern der gesamten Lebensgeschichte zu verstehen, in der die ehelichen Konflikte der Eltern eine große Rolle spielen. Schließlich werden die Gründe für das Versagen der Umwelt diskutiert, die notwendigen Hilfestellungen zum Verarbeiten des Scheidungserlebens zu geben. Durch die auch für Nicht-Fachleute verständliche Sprache ist das Buch ein psychoanalytisch-pädagogischer Ratgeber nicht nur für professionell, sondern auch für persönlich Betroffene.

Christian Büttner/Urte Finger-Trescher (Hg.)
Psychoanalyse und schulische Konflikte

Psychoanalyse und schulische Konflikte

Seit Begründung der Psychoanalyse sind Schule und schulische Konflikte immer wieder Gegenstand kritischer Reflexionen gewesen. Ob es darum ging, innerhalb der bestehenden Institution die Lebens- und Lernverhältnisse für Kinder zu verbessern, den LehrerInnen Unterstützung in den Beziehungsschwierigkeiten mit ihren SchülerInnen zu vermitteln oder die Institution als Ganzes als menschenverachtend zu kritisieren ÷ weniges von dem hat in den regulären schulischen Alltag Eingang gefunden. Dennoch fehlt es nicht an Bemühungen, wenigstens vom Umfeld her Einfluß auf schulische Konflikte zu nehmen. Bei speziellen Beratungsangeboten für Lehrerinnen, wie sie inzwischen zu den meisten Fortbildungsprogrammen gehören, hat sich neben anderen psychosozialen Methoden auch d ie Psychoanalyse bewährt.

Christian Büttner
Kinder und Krieg
Zum pädagogischen Umgang mit Haß und Feindseligkeit
Mainz1991

Kinder und Krieg

In diesem Buch wird zum ersten Mal umfassend auf die unterschiedlichen Äußerungsformen und Spiele von Kindern zum Thema Krieg eingegangen. Der Autor will solche für Kinder interessante Themen aus ihrer Lebensgeschichte heraus verstehbar machen, indem er auf die markanten Punkte der Verletzungen der Kinder durch ihre Umwelt, also auf den „Krieg der Erwachsenen gegen die Kinder“ eingeht. Ihm geht es dabei nicht um allgemeine Theorien etwa zur Entstehung von Aggressionen, sondern um die konkrete Vorlage für die Szenarien, die Kinder in ihren Kriegsspielen verwenden, In der Analyse zahlreicher pädagogischer Situationen aus Kindergarten und Schule werden Handlungsperspektiven deutlich gemacht, die die Verschränkung der Aktionen von Kindern mit den Absichten der Pädagogen aufzeigen und den „Krieg“ der Kinder nicht als „Angriff“, sondern als Ausdruck von Angst und nach innen gekehrter, erfahrener Feindseligkeit verstehen lassen.

Annelinde Eggert-Schmid Noerr
Geschlechtsrollenbilder und Arbeitslosigkeit
Eine gruppenanalytische Studie

Geschlechtsrollenbilder und Arbeitslosigkeit

Hinter den Zahlen der Arbeitslosenstatistiken verbergen sich Menschen, deren jeder mit seinem Einzelschicksal der Arbeitslosigkeit fertig werden muß. Während kurzfristige Arbeitslosigkeit meist keine größeren Bewältigungsprobleme aufwirft, geraten längerfristig Arbeitslose häufig in selbstdestruktive Tendenzen. Dabei erweist sich der Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Geschlechtsrollenidentität als sehr bedeutsam. Männer erleben ihre Arbeitslosigkeit als „Verweiblichung“, Frauen fühlen sich in ihrer Geschlechtsidentität bedroht, indem sie ihre anhaltende Arbeitslosigkeit in Zusammenhang bringen mit Unattraktivität und fehlender Jugendlichkeit, Angesichts der bedrohten Identität wird eine Arbeitslosengruppe oft als ,,Refugium“ erlebt, in dem eine Auseinandersetzung mit dem Gefühl der Entwertung und des Ausgeschlossenseins möglich wird. Ziel der vorliegenden Studie ist es, anhand von vier exemplarischen Verläufen von Gruppengesprächen das analytische Verstehen von Gruppenprozessen für die soziale Beratungsarbeit zu nutzen und seine Möglichkeiten und Grenzen aufzuzeigen.

Heiner Hirblinger
Pubertät und Schülerrevolte
Gruppenphantasien und Ich-Entwicklung in einer Schulklasse – eine Falldarstellung

Pubertät und Schülerrevolte

Im schulischen Alltag beobachten wir immer wieder eine paradoxe Situation: auf der einen Seite Lehrer, deren beste Kräfte in Erschöpfung und Gleichgültigkeit enden – auf der anderen Seite Schüler, die offen oder vesteckt gegen diesen Zustand revoltieren. Eine genauere Analyse dieser Situation und die Suche nach einer Lösung führen schnell zu der Frage: Sollen Lehrer oder Lehrerinnen sich mit unbewußten Aspekten des Unterrichts befassen, dürfen sie es oder müssen sie es sogar? Das Buch zeigt am Fallbeispiel einer Schulklasse, wie sich unbewußte Phantasien in die Szenen des Unterrichtsalltags einmischen, wie sie den Unterricht mittragen oder zerstören können. Am Material eines Lehrertagebuches wird erkennbar, daß Lehrerinnen eine hohe Sensibilität für die Beziehungsdynamik im Unterrichtsgeschehen brauchen, wollen sie ihrer Rolle gerecht werden: nämlich Schülerinnen in ihrem Prozeß der Wissensaneignung einerseits und des Erwachsenwerdens andererseits anzuleiten und zu begleiten. Lehrerinnen sind keine Therapeutinnen (und sollen es auch nicht sein), aber die systematische Unterrichtswirklichkeit verhindert oder mindestens behindert beides. Sie führt zur ,,Lüge“, indem sie psychische Realität im Reifungsprozeß Jugendlicher verleugnet und so eine echte Erfahrungsbildung zerstört.

Urte Finger-Trescher/Hans-Georg Trescher (Hg.)
Aggression und Wachstum
Theorie, Konzepte und Erfahrungen aus der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen
Mainz 1992

Aggression und Wachstum

In Kindergarten und Schule, aber auch in vielen Bereichen sozialer Arbeit haben Aggressivität und destruktives Verhalten in den letzten Jahren ein Ausmaß angenommen, das die beruflich Beteiligten nicht mehr nur gelegentlich an die Grenzen ihrer Belastbarkeit führt. Es scheint dringend geboten, diesem Phänomen durch eine differenzierte Wahrnehmung und Beschreibung der Situation sowie durch eine die Wurzeln suchende Analyse solcher Entwicklungen zu begegnen. Ohnmacht und Entwertung, heimliche ,,Rache“ und Resignation sind Folgewirkungen einer sich einschleifenden destruktiven Beziehungsdynamik, unter deren Dominanz die angemessene Förderung von Kindern und Jugendlichen in Kindergarten, Schule, Heim und anderen Institutionen nur noch begrenzt möglich ist. Neben den psychodynamischen Wurzeln reflektieren die Autorinnen, unter welchen institutionellen und sozialen Bedingungen Destruktion in Aggression und Aggression in Wachstum transformiert werden kann und wo die Grenzen solcher Transformation liegen.

Mario Muck/Hans Georg Trescher (Hg.)
Grundlagen der Psychoanalytischen Pädagogik
Mainz 1993

Grundlagen der Psychoanalytischen Pädagogik

Inhalt: Helmut Figdor: Wissenschaftstheoretische Grundlagen der Psychoanalytischen Pädagogik – Wilfried Datler: Zur Frage nach dem Bildungsbegriff (in) der Psychoanalytischen Pädagogik – Burkhard Müller: Gesellschaftliche und soziale Bedingungen: Die Bedeutung des „sozialen Ortes“ für die Psychoanalytische Pädagogik – Hans Füchtner: Psychoanalytische Pädagogik als kritische Pädagogik – Hans-Georg Trescher: Handlungstheoretische Aspekte der Psychoanalytischen Pädagogik – Urte Finger-Trescher: Grundlagen der Arbeit mit Gruppen – Adrian Gaertner: Supervision und Institutionsanalyse – Peter Kutter: Psychoanalyse in der Ausbildung – Hildegard Freudenberger: Auf dem Weg nach Tutti Frutti“ – Johannes Gstach und Birgit Sieber-Mayr: Anna stört – Doris Maass: Psychoanalytische Pädagogik in der Frühförderung und Frühberatung mit behinderten Kindern und ihren Eltern – Michael Sageder, Rafaela Tischina und Wilfried Datler: Verstehen allein genügt nicht ÷ Über Möglichkeiten und Grenzen psychoanalytisch-pädagogischen Handelns im Rahmen einer sozialpädagogischen Wohngemeinschaft – Barbara Susanne Steiner: Endstation? ÷ Die Arbeit mit Robert in einer Außenwohngruppe im Heim für geistig Behinderte

Roland Kaufhold (Hg.)
Annäherung an Bruno Bettelheim

Annäherung an Bruno Bettelheim

Bruno Bettelheim gilt als einer der Pioniere der Psychoanalytischen Pädagogik. 1903 in Wien geboren, mußte er 1939 in die USA emigrieren, nachdem er ein Jahr in den Konzentrationslagern von Dachau und Buchenwald inhaftiert war. Sein Leben galt der Arbeit mit emotional schwerstgestörten Kindern. im Alter von 86 Jahren ist Bettelheim 1990 freiwillig aus dem Leben geschieden. Die vorliegende ,,Annäherung an Bruno Bettelheim“ eröffnet erstmals einen systematischen Zugang zu seinem umfangreichen psychoanalytischen und pädagogischen Gesamtwerk. Fachleute aus den USA, aus Osterreich, Frankreich und Deutschland nähern sich in biographisch orientierten Essays dem Lebensweg sowie der Persönlichkeit dieses Mannes an. Weiter werden mehrere Interviews mit Bruno Bettelheim aus seinen letzten Lebensjahren veröffentlicht, in denen Bettelheim, an der Schwelle des Todes stehend, die ihm wichtigsten Themen, persönlichen Motive sowie seine wissenschaftliche und praktische Arbeit reflektiert. Die im Anhang dieses Bandes weltweit erste Bibliographie zum Gesamtwerk ist für die zukünftige wissenschaftliche Arbeit zum Werk Bettelheims unverzichtbar.

Annelinde Eggert-Schmid Noerr/Volker Hirmke-Wessels/Heinz Krebs (Hg.)
Das Ende der Beziehung?
Frauen Männer, Kinder in der Trennungskrise
Mainz 1994

Das Ende der Beziehung?

Das Ideal einer ewig währenden Liebesbeziehung oder einer eingeschworenen Familie ist nach wie vor weit verbreitet. Tatsächlich jedoch hat die Zahl der Trennungen und Scheidungen, der Stieffamilien und Alleinerziehenden in den letzten Jahrzehnten erheblich zugenommen. Die Autorinnen und Autoren des Bandes befassen sich mit den Ursachen und Folgen dieser Lücke zwischen Wunsch und Realität. Anhand von Fallbeispielen wird die ÷ auch unbewußte ÷ Dynamik vielfältiger Ablösungsprozesse aufgezeigt. Dabei werden insbesondere die Unterschiede von männlichen und weiblichen Verarbeitungsformen beleuchtet. Als Fazit bleibt: Trennungskrisen sind im lebensgeschichtlichen Verlauf unvermeidbar. Was als Katastrophe erfahren wird, beinhaltet auch Entwicklungschancen. Diese zu fördern, ist das Ziel der psychoanalytsich-pädagogischen Uberlegungen zu Kriseninterventionen und längerfristigen Beratungen.

Wilfried Datler
Bilden und Heilen
Auf dem Weg zu einer pädagogischen Theorie pädagogischer Praxis
Mainz 1995

Bilden und Heilen

Entgegen der üblichen Abgrenzung von Psychotherapie und Pädagogik entwirft Wilfried Datler hier ein Modell ganzheitlichen pädagogisch-therapeutischen Handelns. An vielen Fallbeispielen werden die praktischen (z.B. Zusammenarbeit zwischen LehrerInnen und PsychotherapeutInnen) und theoretischen Konsequenzen erörtert. Aufgegriffen werden u.a. die Themen: Szenisches Verstehen, deutungsfreies Intervenieren in der Arbeit Zulligers, Aspekte der Manipulation in Psychotherapie und Pädagogik, das Verhältnis zwischen Pädagogik, Psychoanalyse und Bildungstheorie. Ein Einblick in bisher unbekannte Aspekte der Geschichte und Entwicklung der Psychoanalytischen Pädagogik macht dieses Buch zu einem Grundlagenwerk für psychoanalytisch orientierte Praxis.

Bernhard Salmen
Ohnmacht und Grandiosität
Psychodynamische Aspekte der Arbeit mit einem 9jährigen Jungen im Rahmen der Sozialpädagogischen Familienhilfe
Mainz 1995

Grandiosität und Ohnmacht

Das vorliegende Buch stellt ein Stück sozialpädagogischer Familienhilfe vor, Die in diesem Arbeitsfeld auftretenden individuellhelferbezogenen, professionell-fallbezogenen und institutionell-strukturbezogenen Probleme werden mit dem psychoanalytischen Ansatz auf ihre Hintergründe und Verstehenszusammenhänge hin untersucht. Dabei steht vor allem der Aspekt in der Familienhilfe im Vordergrund, der sich wohl am nachhaltigsten auf die Hilfs- und Beziehungsbereitschaft des Helfers auswirkt: die Ohnmachtserfahrungen des Klienten (und damit korrespondierend seine Größenphantasien). Entlang eines Fallbeispiels schlägt der Autor vor, diese von der Psychoanalyse als narzißtisch charakterisierten Phänomene als „Selbstvergewisserungsversuche“, also nicht als in gewissem Sinne defizitär, sondern positiv zufassen: Das brüchige und bedrohte Selbst des Klienten versucht, sich der Kontinuität seines Daseins zu vergewissern und somit sein narzißtisches Gleichgewicht aufrecht zu halten.

Hans-Günter Garz
Wege zum schwierigen Kind
Die Balint-Gruppe im Schulalltag
Mainz 1996

Wege zum schwierigen Kind

In der medizinischen Praxis ist die Arbeit in Balint-Gruppen verbreitet und allgemein anerkannt. Daß und wie sie im Schulalltag sinnvoll eingesetzt werden und streßgeplagten Lehrerinnen Unterstützung anbieten kann, ist Thema dieser praxisorientierten Studie. Ziel der Balint-Gruppen ist vor allem, verhaltensauffällige Kinder und die Ursachen für ihre Probleme besser zu verstehen, In der Terminologie der Psychoanalyse geht es darum, unbewußte Determinanten und die geheime Bedeutung von Verhaltensauffälligkeiten, die sich im beobachtbaren Verhalten verstecken, zu erkennen. Protokolle und Praxisbeispiele geben einen Einblick in die Arbeit einer Supervisionsgruppe von SonderschullehrerInnen, die nach dem Modell Balints arbeitet. Eine empirische Befragung und deren Auswertung zeigt die Bedeutung, die Balint-Gruppen in der Lehreraus- und fortbildung zukommt.

Heinz Krebs/Annelinde Eggert-Schmid Noerr (Hg.)
Lebensphase Adoleszenz
Junge Männer und Frauen verstehen
Mainz 1997

Lebensphase Adoleszenz

Die Adoleszenz stellt für pädagogische und soziale Fachkräfte, aber auch für Jugendliche und deren Familien eine große Herausforderung dar. Geschlechtsspezifische Sozialisationsverläufe in Adoleszenz und Pubertät besser zu verstehen ist das Ziel dieses Buches. Die Autorinnen reflektieren aus der Sicht der Psychoanalytischen Pädagogik Erfahrungen aus der sozialpädagogischen Praxis, aus Schule und Erziehungsberatung. Das Verstehen psychosozialer Krisen wird als Chance für einen gelingenden Alltag gesehen.


Reihe: Psychoanalytische Pädagogik
herausgegeben von Christian Büttner, Wilfried Datler,
Annelinde Eggert-Schmid Noerr und Urte Finger-Trescher
im Psychsozial-Verlag, Gießen

Gerd Biermann
Nelly Wolffheim und die Psychoanalytische Pädagogik
Gießen 1997

Nelly Wolffheim (1879-1965) war eine der ersten, die die Erkenntnisse der Psychoanalyse auf die Kindergartenpädagogik angewandt haben. Sowohl in ihrer praktischen Tätigkeit als Kindergärnterin als auch später in der Ausbildung jüdischer Erzieherinnen hat sie einen wesentlichen Beitrag zur Theorie und Praxis Psychoanalytischer Pädagogik geleistet. Ihre Erfahrungen und Überlegungen zu Theorie und Praxis der psychoanalytisch orientierten Arbeit mit Kindergartenkindern hat sie in zahlreichen, in der Studentenbewegung der 70er Jahre intensiv zur Kenntnis genommenen Veröffentlichungen niedergelegt. Indirekt hat sie damit – wie viele andere, deren Namen nur beiläufig genannt werden – mit zur Reform der deutschen Kindergartenerziehung beigetragen. In dem von dem Kinderpsychiater Gerd Biermann herausgegebenen Band werden einige dieser Arbeiten erneut publiziert. Als Zeitzeuge und Begleiter Nelly Wolffheims in der letzten Zeit ihres Londoner Exils beschreibt Gerd Biermann Person, Lebensgeschichte und den biografisch-historischen Hintergrund Nelly Wolffheims. Hierdurch wird zugleich ein Stück Geschichte der Psychoanalytischen Pädagogik in ihrer Entwicklung lebendig.

Christa Reuther-Dommer/Eckhard Dommer
Ich will Dir erzählen...
Geistig behinderte Menschen zwischen Fremd- und Selbstbestimmung
Gießen 1997

Die Autoren stellen eine lebendige und eindrucksvolle, begleitende Beschreibung einer Gruppe von 23 geistig behinderten Frauen während eines zweijährigen Entwicklungsprozesses vor. Nach einer langjährigen stationären Verwahrung mit entsprechender Hospitalisierung in einer Landesnervenklinik wurden ihnen in drei Wohngruppen mehr Privatheit, Beziehung, individueller Freiraum und mehr Chancen zum Teilnehmen und Gestalten des Alltags geboten. Die Entwicklung ihrer äußeren und inneren Lebensumstände wird über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg erzählt. Erscheinen die teilweise sehr schwer geistig behinderten Frauen anfangs fremd und fern, einige erschreckend eruptiv aggressiv, so kommen sie im Verlauf der Erzählung dem Leser näher, werden zu verstehbaren Persönlicchkeiten mit einer geistigen Behinderung. Sie differenzieren sich, anhand von Beobachtungs- und Supervisionsprotoiollen fein nachgezeichnet, im Hinblick auf Ihr Erleben, ihre Körperlichkeit, ihre Grenzen und Abgrenzungen, in Bezug auf Wahrnehmung und Kompetenz im Umgang mit der dinglichen Umwelt und besonders im Hinblick auf ihre sozialen Kontakte. Einige, bisher stummem Frauen fangen an zu sprechen. Ihre Stimmen hatte man zuvor noch nie gehört.

Christian Büttner/Urte Finger-Trescher/Harald Grebe/Heinz Krebs (Hg.)
Brücken und Zäune
Interkulturelle Pädagogik zwischen Fremdem und Eigenem
Gießen 1998

Die BRD ist seit Jahrzehnten de facto ein Einwanderungsland. Die Probleme interkultureller Erziehung gehören daher schon lange zum pädagogischen Alltag in Einrichtungen der öffentlichen Erziehung, in Beratungsstellen und in anderen Einrichtungen der Jugendhilfe. Dennoch ist die Gestaltung der multikulturellen Gesellschaft ebensowenig gelungen wie die Umsetzung von Konzepten interkultureller Erziehung. Die politische Integration der Migranten hat noch nicht stattgefunden, und die meisten „ausländischen“ Familien fühlen sich – obwohl z. T. schon seit Jahrzehnten in der BRD zu Hause – immer noch nicht heimisch. In diesem Band werden psychoanalytisch-pädagogische Zugänge zu Migrationserfahrungen und ehtnischer Unterschiedlichkeit in verschiedenen pädagogischen Arbeitsfeldern diskutiert. Die psychoanalytische Reflexion der individuellen und der sozialen Folgen sowie der Verarbeitungsformen von Fremdheitsgefühlen gibt Impulse für ein differenziertes pädagogischens Verständnis interkultureller Beziehungsprozesse sowie zur Entwicklung von neuen pädagogischen Handlungsmöglichkeiten. Das Buch ist der erste größere Versuch der Vertreter Psychoanalytischer Pädagogik, sich mit dem Thema Interkulturelle Erziehung zu befassen und die Möglichkeiten psychoanalytischer Reflexion für die entsprechenden Probleme fruchtbar zu machen. Dabei entstehen aus dem szenischen Verständnis von Beziehungsprozessen ganz andere Ideen als die in den üblichen, meist fruchtlosen pädagogischen Handlungsroutinen.

Helmuth Figdor
Scheidungskinder
Wege der Hilfe
Gießen 1998

Helmuth Figdor zeigt, wie die Eltern ihren Kindern bei ihrer Trennung helfen können; wie die angesichts neuer Partner der Eltern auftretenden Probleme zu lösen sind, und auf welche Weise es Therapeuten und Beratern gelingt, die Eltern zu befähigen, ihren Kindern die notwendige Hilfe auch wirklich geben zu können. Erstmals geht der Autor der brennenden Frage nach, ob eine Scheidung nicht auch positive Spätfolgen zeitigen könne – und zwar nicht nur im Vergleich mit Kindern aus Konfliktfamilien, sondern auch verglichen mit Kindern aus sogenannten intakten Familien. Figdor versteht es, dem Leser mit viel Einfühlungsvermögen und durch eine lebendige und verständliche Sprache das subjektive Erleben, die komplexen innerpsychischen Prozesse und die mitunter schwierigen zwischenmenschlichen Beziehungskonstellationen nahezubringen.

Wilfried Datler/Helmuth Figdor/Johannes Gstach (Hg.)
Die Wiederentdeckung der Freude am Kind
Psychoanalytische Erziehungsberatung heute
Gießen 1999

Was tun, wenn Eltern mit ihren Kindern nicht mehr zurecht kommen? Wie kann man die Sorgen und Nöte verstehen, mit denen diese Eltern ebenso zu kämpfen haben wie ihre Kinder? Unter welchen Voraussetzungen lassen sich Veränderungen überhaupt initiieren? Die Autoren und Autorinnen dieses Bandes gehen davon aus, dass Erziehungsberatung zu kurz greift, wenn sie die unbewusste Bedeutung von Erziehungsproblemen außer Acht lässt. Das Buch zeigt, in welcher Weise die unbewusste Bedeutung von Eltern-Kind-Problemen erschlossen und in die Beratungspraxis Eingang finden kann. Die Darstellung von Grundlagen und Gründzügen psychoanalytisch-pädagogischer Erziehungsberatung wird mit der Diskussion zahlreicher Fallbeispiele verbunden.


Reihe: Psychoanalytische Pädagogik, herausgegeben von Christian Büttner, Wilfried Datler und Urte Finger-Trescher
im psychosozial Verlag, Gießen

Michael Maas
Leben lernen in Freiheit und Selbstverantwortung
Eine psychoanalytische Interpretation der Alternativschulpädagogik
Gießen 1999

Freie Alternativschulen zählen zweifellos zu den radikalsten, innovativsten aber auch umstrittensten Reformschulen der Gegenwart. In diesem Buch werden die theoretischen Grundlagen und praktischen Erfahrungen dieser Schulen aus psychoanalytischer Sicht betrachtet. Diese Blickrichtung führt den Autor zu einer ebenso ungewohnten wie differenzierten Analyse der Alternativschulpädagogik, die auch der gegenwärtig wieder aufblühenden Diskussion um die Reform des allgemeinen Schulwesens wichtige Impulse geben kann. Der vorliegende Band unternimmt eine psychoanalytische Interpretation der Institution Schule erstmals am Beispiel der Freien Alternativschulen. Erfahrungen der fast dreißigjährigen Alternativschulpraxis werden ebenso ausgewertet und kritisch reflektiert wie Grundlagen und theoretischen Positionen der Alternativschulpädagogik. Der psychoanalytische Blick hebt dabei Aspekte und Problemfelder in den Vordergrund, die in der gegenwärtigen Debatte um die Reform des allgemeinen Schulwesens vernachlässigt werden. Erstmalig werden in diesem Buch Erkenntnisse der Psychoanalytischen Pädagogik umfassend auf Fragen und Probleme der Alternativschulpädagogik bezogen. Dieser Brückenschlag richtet den Blick des Lesers auf selten beachtete Aspekte der Schulrealität und führt ihn so zu neuen und ungewohnten Einsichten.

Susanne Kupper-Heilmann
Getragen werden und Einflußnehmen
Aus der Praxis des psychoanalytisch orientierten heilpädagogischen Reitens
Gießen 1999

Das psychoanalytisch orientierte Reiten bietet Kindern und Jugendlichen den Umgang mit dem Pferd und das Reiten als Medium zur Darstellung ihrer Konflikte. Im umgrenzten Raum der Reithalle, des Reiterhofes und seiner näheren Umgebung können die Probleme von einzelnen und Gruppen dargestellt werden. Die Autorin stellt theoretisch und praktisch dar, wie mit der Pädagogin langsam eine Beziehung entsteht, in der sich die inneren Themen des Kindes, seine Sorgen, Wünsche, Aggressionen und inneren Konflikte, entfalten können und mit Hilfe der Pädagogin in Worte gefasst werden. Beide lernen, die in Erscheinung tretenden Gefühle und Vorstellungen in einem Zusammenhang mit den Problemen und Symptomen des Kindes zu bringen und darüber deren Ursachen, die bisher unbewusst waren, zu verstehen.

Urte Finger-Trescher/Heinz Krebs (Hg.)
Mißhandlung, Vernachlässigung und sexuelle Gewalt in Erziehungsverhältnissen
Gießen 2000

Über tägliche physische und psychische Mißhandlungen und Vernachlässigungen in Erziehungs- und Bildungseinrichtungen wird unter Fachleuten ebensowenig diskutiert wie über die Auswirkungen institutioneller Gewalt. Der Band beleuchtet die historischen, sozialen, familiären und individuellen Hintergründe von Vernachlässigung und Gewalt an Minderjährigen, um die Auswirkungen dieser Erfahrungen auf die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen angemessen reflektieren zu können. Die Psychodynamik zwischen Täter und Opfer und ihre Reproduktion im Alltag pädagogischer, sozialarbeiterischer, sozialpädagogischer, therapeutischer und sozialmedizinischer Praxisfelder sind Schwerpunkte der Betrachtung.
Mit Beiträgen von: Urte Finger-Trescher, Heinz Krebs, Brigitte Kerschner, Mathias Hirsch, Marianne Rauwald, Birgit Warzecha, Christoph Kleemann, Joachim Heilmann, Ralf Franken

Astrid Kerl-Wienecke
Nelly Wolffheim – Leben und Werk
Gießen 2000

Nelly Wolffheim gehörte zu den bedeutendsten Pädagogen der 20er Jahre und war die maßgebliche Wegbereiterin der psychoanalytisch orientierten Vorschulpädagogik, die bis in die heutige Praxis übertragbar ist. Gleichzeitig liefert ihr Leben und Werk wichtige Beiträge zur Frauen- und Exilforschung. Trotzdem wurde ihr umfangreiches schriftliches und wissenschaftliches Werk kaum zur Kenntnis genommen. Astrid Kerl-Wienecke schließt diese Forschungslücke und läßt die Geschichte einer Frau vom deutschen Kaiserreich bis zu den 60er Jahren in London lebendig werden. Zudem wird deutlich, daß auch gegenwärtig, siebzig Jahre nachdem Wolffheim ihr pädagogisches Konzept entworfen hat, dessen aktuelle Reichweite und Übertragbarkeit auf die heutige Praxis unübersehbar ist.

Barbara Bräutigam
Der ungelöste Schmerz
Perspektiven und Schwierigkeiten der therapeutischen Arbeit mit Kindern verfolgter Menschen
Gießen 2000

Kinder politisch verfolgter Menschen sind potentiell gefährdet, unter einer sekundären Form der Traumatisierung zu leiden. Diese Kinder weisen erhebliche Risikofaktoren in Bezug auf ihre psychosoziale und emotionale Entwicklung auf. Barbara Bräutigam untersucht therapeutische Vorstellungen und Therapiekonzepte, die auf die Behandlung der Auswirkungen politischer Repression auf Familien und insbesondere auf deren Kinder abzielen. Sie erörtert Möglichkeiten und Schwierigkeiten des praktischen therapeutischen Umgangs mit den betroffenen Kindern. Mittels methodisch unterschiedlicher qualitativer Untersuchungen entwickelt die Autorin Ideen für die Weiterentwicklung bzw. Modifizierung bestehender Therapiekonzepte.

Wilfried Gottschalch
Mit anderem Blick
Grundzüge einer skeptischen Pädagogik
Gießen 2000

Wilfried Gottschalch versucht in diesem Buch seine subjektiven Erfahrungen als Jugendleiter, Lehrer, Hochschulllehrer und Homo Politicus so zu objektivieren, daß sie anderen Pädagogen Orientierungshilfe bieten können. Er entwirft eine skeptische Pädagogik, die nicht zum Verzweifeln, sondern zu besonnenem Eingreifen anregen will. Zur Erkundung der inneren Welt gebraucht er die Psychoanalyse, weil psychoanalytische Erfahrung Pädagogen zu höherer Wahrnehmungsfähigkeit verhelfen kann: zum Wohl ihrer eigenen inneren Welt und für die Welt ihrer Kinder, Jugendlichen, Klienten und Kollegen.

Urte Finger-Trescher/Heinz Krebs
Mißhandlung, Vernachlässigung und sexuelle Gewalt in Erziehungsverhältnissen
Gießen 2000

Über tägliche physische und psychische Mißhandlungen und Vernachlässigungen in Erziehungs- und Bildungseinrichtungen wird unter Fachleuten ebensowenig diskutiert wie über die Auswirkungen institutioneller Gewalt. Der Band beleuchtet die historischen, sozialen, familiären und individuellen Hintergründe von Vernachlässigung und Gewalt an Minderjährigen, um die Auswirkungen dieser Erfahrungen auf die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen angemessen reflektieren zu können. Die Psychodynamik zwischen Täter und Opfer und ihre Reproduktion im Alltag pädagogischer, sozialarbeiterischer, sozialpädagogischer, therapeutischer und sozialmedizinischer Praxisfelder sind Schwerpunkte der Betrachtung.

Roland Kaufhold
Bettelheim, Ekstein, Federn
Impulse für die psychoanalytisch-pädagogische Bewegung
Gießen 2001

Die Studie bietet auf der Grundlage biografisch-historischer Forschungen über Leben und Werk der emigrierten österreichischen und jüdischen Psychoanalytiker und Pädagogen Bruno Bettelheim, Ernst Federn und Rudolf Ekstein eine neue Sicht der Geschichte der psychoanalytischen pädagogischen Bewegung sowie neue Orientierungen im Grenzbereich von Pädagogik und Psychoanalyse. Diese Tradition wurde durch den Nationalsozialismus in Deutschland und Österreich vernichtet, überlebte im amerikanischen Exil im Werk von Federn, Bettelheim und Ekstein und wurde von diesen seit den 70er Jahren zurück nach Europa gebracht. Das Buch vermittelt in seiner emphatischen, narrativen und zugleich engagierten Schreibweise einen neuen und originellen Zugang zu der Art der radikalen Parteinahme, wie sie insbesondere das Lebenswerk von Bettelheim kennzeichnet. Die unauflösbare Wechselbeziehung zwischen biografischer Entwurzelung, »radikalem« pädagogisch-therapeutischem Engagement und wissenschaftlicher Forschung wird in eindrücklicher Art nachfühlbar.

Mario Muck/Hans-Georg Trescher (Hg.)
Grundlagen der Psychoanalytischen Pädagogik
Gießen 2001

Breit angelegt werden die theoretischen Grundlagen der Psychoanalytischen Pädagogik dargestellt und diskutiert. Dabei wird auch die Bedeutung gesellschaftlicher und sozialer Bezüge von erziehungswissenschaftlicher Theoriebildung und pädagogischem Handeln einbezogen.Die Beiträge des zweiten Teils sind zwischen theoretischer Grundlegung und methodengeleitetem Arbeiten angesiedelt. Der dritte Teil des Bandes versammelt exemplarische Studien zu ausgewählten Arbeitsfeldern. Die Autorinnen und Autoren berichten praxisnah und spannend von ihrer Arbeit im Sinne der Psychoanalytischen Pädagogik. Diese Betrachtungen machen den Band zu einem unverzichtbaren Beitrag zur Fundierung und Entfaltung Psychoanalytischer Pädagogik und psychoanalytischer Erziehungswissenschaft.Mit Beiträgen von: Mario Muck, Helmut Figdor, Wilfried Datler, Burkhard Müller, Hans Füchtner, Hans-Georg Trescher, Urte Finger-Trescher, Adrian Gaertner, Peter Kutter, Hildegard Freudenberger, Johannes Gstach.

Kornelia Steinhardt/Wilfried Datler/Johannes Gstach (Hg.)
Die Bedeutung des Vaters in der frühen Kindheit
Gießen 2002

Lange Zeit war das Interesse in der Kleinkindforschung auf die Beziehung zwischen Mutter und Kind gerichtet, der Vater als bedeutender Dritter blieb ausgeklammert, wurde höchstens als abwesender Vater erwähnt. Selbst als der Vater als wesentlicher Mitgestalter der frühen Kindesentwicklung anerkannt und ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt wurde, verglich man ihn anfänglich mit der Mutter und erkannte nicht, dass Väter nicht schlechtere oder bessere Mütter sind, sondern anders als sie sind. Erst in den letzten Jahren kam es zu einer grundlegenden Neubewertung der Bedeutung des Vaters für das Aufwachsen und die frühe Entwicklung des Kindes. Vielfältige Forschungsergebnisse machen deutlich, dass ihm eine eigenständige Rolle zukommt, die sich grundlegend von jener der Mutter unterscheidet. Außerdem weiß man, dass Säuglinge und Kleinkinder ihre entscheidenden Lebenserfahrungen in einem triadischen Beziehungs- und Spannungsfeld mit Vater und Mutter machen, was nahe legt, die Entwicklung psychischer Strukturen beim Menschen neu zu überdenken. In den Beiträgen dieses Bandes wird auf unterschiedliche Weise auf die Frage eingegangen, welche Bedeutung dem Vater in den ersten Lebensjahren seines Kindes zukommt. Vor dem Hintergrund psychoanalytischer Konzepte sowie bindungstheoretischer und systemischer Zugänge wird beschrieben, wodurch sich das Vatersein in besonderer Weise auszeichnet und was triadische Erfahrungen mit Vater und Mutter für das Erleben des Kleinkindes bedeuten. Die differenzierte Analyse der Bedeutung des Vaters und die Neubewertung seiner Rolle bezieht sich einerseits auf Erfahrungen aus dem familiären Alltag. Andererseits wird aufgezeigt, wie es sich auswirken kann, wenn Väter in Prozesse der Eltern-Kleinkind-Psychotherapie einbezogen werden.

Volker Fröhlich/Rolf Göppel
Was macht die Schule mit den Kindern? – Was machen die Kinder mit der Schule?
Psychoanalytisch-pädagogische Blicke auf die Institution Schule
Gießen 2003

Die Schule stellt für Kinder den wohl wichtigsten Lernort und Erfahrungsraum jenseits der Familie dar. Die aktuelle Schul- und Bildungsdiskussion dreht sich – zumal seit PISA – primär um Fragen der Aktualisierung des Bildungskanons und der Effektivierung des Unterrichts. Dass gerade im Jugendalter das Verhältnis der Schüler zur Institution Schule oft sehr problematisch wird, ist hinlänglich bekannt. Die Autoren versuchen den Hintergründen dieses Phänomens auf die Spur zu kommen und auf der Basis einer psychoanalytischen Theorie der Adoleszenz Ideen für eine »jugendgemäße Schule« zu entwickeln.Neben grundlegenden psychoanalytischen Deutungen der Institution Schule wird auch der schulische Alltag genau analysiert. Beispielhaft werden anhand der dort aufgezeigten Konflikte kreative Lösungskonzepte angeboten, die zeigen, dass psychoanalytische Pädagogik einen wichtigen Beitrag zu dieser Problematik leisten kann.

Margret Dörr/Rolf Göppel
Bildung der Gefühle
Innovation? – Illusion? – Intrusion?
Gießen 2003

Die Psychoanalyse hat sich von jeher besonders intensiv mit der Herausbildung der Muster emotionalen Erlebens und deren Verwobenheit mit unbewussten Wünschen und Konflikten beschäftigt. In den von ihr inspirierten bildungstheoretischen Überlegungen spielte die Frage nach dem Umgang mit den Gefühlen bei sich selbst und bei anderen stets eine zentrale Rolle. Gerade in jüngerer Zeit gibt es in verschiedenen pädagogischen Feldern einen deutlichen Trend, die Bearbeitung der gefühlsmäßigen Erlebnis- und Reaktionsweisen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gezielt zum Gegenstand erzieherischer und bildnerischer Bemühungen zu machen. In diesem Band werden die zentralen Begriffe »Innovation«, »Illusion« und »Intrusion«, die mit dem Trend »Bildung der Gefühle« aufs engste verbunden sind.

Urte Finger-Trescher/Heinz Krebs
Bindungsstörungen und Entwicklungschancen
Gießen 2003

Der Umgang mit entwicklungs- und verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen ist Bestandteil des beruflichen Alltags in den unterschiedlichsten psychosozialen Einrichtungen. Die Fachkräfte sehen sich tagtäglich mit einer Fülle sozialer und psychischer Probleme konfrontiert. Für den Umgang mit diesen Problemstellungen benötigen sie ein fundiertes theoretisches und methodisches Wissen. Seit den Anfängen der Bindungsforschung durch John Bolby sind mehr als 40 Jahre vergangen. Die neue Bindungsforschung basiert auf seinen Erkenntnissen und geht davon aus, dass der Wunsch nach Sicherheit und verlässlichen Beziehungen ein entscheidendes Grundbedürfnis des Menschen ist. Für die psychische Entwicklung ist die Qualität der frühen Bindungserfahrungen entscheidend. Belastende Bindungsmuster im Kindes- und Jugendalter erfordern angemessene Antworten durch professionelle Erziehung, soziale Arbeit und Therapie sowie institutionelle Hilfe.

Helmuth Figdor
Kinder aus geschiedenen Ehen: Zwischen Trauma und Hoffnung
Wie Kinder und Eltern die Trennung erleben
Gießen 2004

Dass viele Kinder unter der Scheidung ihrer Eltern leiden, dass sie verschiedene Symptome ausbilden, ist heute unbestritten. Wie aber wirkt sich eine Scheidung langfristig auf die psychische Entwicklung aus? Welche Gefahren, aber auch welche Chancen birgt sie? Unter welchen Voraussetzungen können sich Hoffnungen erfüllen und traumatische Auswirkungen auf das spätere Leben vermieden werden? Dieses Buch basiert auf Erkenntnissen, die ein Forschungsprojekt des Instituts für Angewandte Psychoanalyse in Wien ergeben hat. Es beschreibt die individuell verschiedene Psychodynamik des kindlichen Scheidungserlebens in Abhängigkeit davon, welche Hilfestellung das Kind durch die Umwelt (vor allem die Eltern) erfährt, und kommt zu der Einsicht, dass sichtbare Symptome nichts über tatsächliche Belastung, Bewältigung und langfristige Auswirkungen aussagen. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Vorgeschichte der Scheidung gelegt. Scheidungsfolgen sind nicht nur als Folge der elterlichen Trennung, sondern der gesamten Lebensgeschichte zu verstehen, in der die ehelichen Konflikte der Eltern eine große Rolle spielen. Schließlich werden die Gründe für das Versagen der Umwelt diskutiert, die notwendigen Hilfestellungen zum Verarbeiten des Scheidungserlebens zu geben.

Walta Reuther-Dommer/Eckhard Dommer
»Ich will Dir erzählen…«
Geistig behinderte Menschen zwischen Selbst- und Fremdbestimmung
Gießen 2004

Die Autoren stellen eine lebendige und eindrucksvolle, begleitende Beschreibung einer Gruppe von 23 geistig behinderten Frauen während eines zweijährigen Entwicklungsprozesses vor. Nach einer langjährigen stationären Verwahrung mit entsprechender Hospitalisierung in einer Landesnervenklinik wurden ihnen in drei Wohngruppen mehr Privatheit, Beziehung, individueller Freiraum und mehr Chancen zum Teilnehmen und Gestalten des Alltags geboten. Die Entwicklung ihrer äußeren und inneren Lebensumstände wird über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg erzählt. Erscheinen die teilweise sehr schwer geistig behinderten Frauen anfangs fremd und fern, einige erschreckend eruptiv aggressiv, so kommen sie im Verlauf der Erzählung dem Leser näher, werden zu verstehbaren Persönlicchkeiten mit einer geistigen Behinderung. Sie differenzieren sich, anhand von Beobachtungs- und Supervisionsprotoiollen fein nachgezeichnet, im Hinblick auf Ihr Erleben, ihre Körperlichkeit, ihre Grenzen und Abgrenzungen, in Bezug auf Wahrnehmung und Kompetenz im Umgang mit der dinglichen Umwelt und besonders im Hinblick auf ihre sozialen Kontakte. Einige, bisher stumem Frauen fangen an zu sprechen. Ihre Stimmen hatte man zuvor noch nie gehört.

Kornelia Steinhardt
Psychoanalytisch orientierte Supervision. Auf dem Weg zu einer Profession?
Zur historischen, professionstheoretischen und empirischen Fundierung von psychoanalytisch orientierter Supervision
Gießen 2005

Supervision hat sich in den letzten 100 Jahren als eigenständige Form berufsbezogener Beratung im deutschsprachigen Raum etabliert. Sie blieb von der psychoanalytischen Bewegung, die sich parallel entwickelte, nicht unbeeinflusst. Aus historischer und professionstheoretischer Perspektive arbeitet Kornelia Steinhardt heraus, in welchem Nahverhältnis Supervision und Psychoanalyse standen und stehen. Sie zeigt aber auch, dass sich psychoanalytisch orientierte Supervision erst in der Abgrenzung zur Psychoanalyse eigenständig entwickeln konnte. Anhand einer empirischen Vergleichsuntersuchung verdeutlicht Steinhardt im letzten Teil des Buches, was psychoanalytisch orientierte Supervisorinnen und Supervisoren in ihrer professionellen Identität charakterisiert.

Helmuth Figdor
Scheidungskinder
Wege der Hilfe
Gießen 2005

Helmuth Figdor zeigt, wie die Eltern ihren Kindern bei ihrer Trennung helfen können; wie die angesichts neuer Partner der Eltern auftretenden Probleme zu lösen sind, und auf welche Weise es Therapeuten und Beratern gelingt, die Eltern zu befähigen, ihren Kindern die notwendige Hilfe auch wirklich geben zu können. Erstmals geht der Autor der brennenden Frage nach, ob eine Scheidung nicht auch positive Spätfolgen zeitigen könne – und zwar nicht nur im Vergleich mit Kindern aus Konfliktfamilien, sondern auch verglichen mit Kindern aus sogenannten intakten Familien. Figdor versteht es, dem Leser mit viel Einfühlungsvermögen und durch eine lebendige und verständliche Sprache das subjektive Erleben, die komplexen innerpsychischen Prozesse und die mitunter schwierigen zwischenmenschlichen Beziehungskonstellationen nahezubringen.

Fitzgerald Crain
Fürsorglichkeit und Konfrontation
Psychoanalytisches Lehrbuch zur Arbeit mit sozial auffälligen Kindern und Jugendlichen
Gießen 2005

Fitzgerald Crain diskutiert anhand kasuistischer Beispiele aus der Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen vor allem die Bedeutung der psychoanalytischen Theorie für die Arbeit in Schulen und erzieherischen Institutionen. Dabei stellt er die Beziehung ins Zentrum, in der es idealerweise um ein Gleichgewicht fürsorglicher und konfrontativer Einstellungen und Handlungen geht. Von der klassischen Psychoanalyse bis hin zu modernen intersubjektiven Ansätzen werden die verschiedenen Hauptströmungen der Psychoanalyse vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die heutige Zeit vorgestellt und die Differenz zu lerntheoretischen, kognitiven oder medizinischen Konzepten thematisiert. Crain unterstreicht damit, dass die Psychoanalyse eine in hohem Maß praxisrelevante Wissenschaft ist, nicht nur für den Bereich der Therapie, sondern auch der Pädagogik und Sonderpädagogik.

Helmuth Figdor
Praxis der psychoanalytischen Pädagogik I
Vorträge und Aufsätze
Gießen 2006

In 12 Vorträgen und Aufsätzen demonstriert Helmuth Figdor, wie der schwierige Balanceakt zwischen gesellschaftlichen Anpassungsforderungen, den Wünschen der Kinder und ihren langfristigen Entwicklungsinteressen in der Praxis gelingen kann. Obwohl das Buch von der pädagogischen Praxis handelt, bildet es zugleich einen wichtigen theoretischen Beitrag zur Psychoanalytischen Pädagogik: demonstriert Figdor doch, wie sich Kulturkritik, psychoanalytisches Verstehen und pädagogische Orientierung in wirksamer Praxis verwirklichen lassen. Ein pädagogisches Aufklärungsbuch (im besten Sinne des Wortes), ein Muss für Eltern, Erzieherinnen Sozialpädagogen/innen, Lehrer/innen, aber auch für Familientherapeut/innen, Lebens- und Erziehungsberater/innen, Erziehungswissenschaftler/innen und Studierende. Die Themen lesen sich wie ein A-Z pädagogischer Alltagsprobleme: Aggression, Beratung, Gewalt, Kindergarten, Krankheit, Missbrauch, Schule, Sexualität, Trennung bzw. Scheidung und Verhaltensstörung.

Volker Fröhlich/Rolf Göppel
Bildung as Reflexion auf Lebenszeit
Gießen 2006

»Bildung« ist mehr als das, was bei PISA gemessen wird und kann nicht allein als »Kompentenzerwerb« unter ökonomischen Verwertungsgesichtspunkten betrachtet werden – »Bildung« meint in erster Linie die bewusste Gestaltung des Selbst- und Weltverhältnisses. Entsprechend verfolgt dieser Band die Frage, welche Bedeutung der biografischen Selbstreflexion, der Rückschau auf das eigene Leben, für die Bildung des Menschen im Allgemeinen und für die pädagogische Professionalität im Besonderen zukommt. Renommierte Autoren aus Erziehungswissenschaft, Biografieforschung und Psychoanalyse arbeiten zusammen, um einem klassischen Kernstück von »Bildung« wieder zu seinem Recht zu verhelfen, nämlich der Idee, dass »Bildung« primär etwas mit der persönlichen Auseinandersetzung mit jenen Kernfragen zu tun hat, die Pestalozzi bereits 1797 in seinen »Nachforschungen« formuliert hat: »Ich will wissen, was der Gang meines Lebens, wie es war, aus mir gemacht hat; ich will wissen, was der Gang des Lebens, wie es ist, aus dem Menschengeschlecht macht.«

Annelinde Eggert-Schmid Noerr/Ursula Pforr/Hilke Voß-Davies
Lernen, Lernstörungen und die pädagogische Beziehung
Gießen 2006

Dieser Sammelband geht aus unterschiedlichen Perspektiven – der sozialwissenschaftlichen, neurobiologischen, psychoanalytischen und pädagogischen – der Frage nach, wie Lernen zustande kommt und durch welche Umstände es behindert oder gefördert wird. Dabei wird die besondere Bedeutung der Psychoanalytischen Pädagogik sichtbar, die dafür eintritt, die psychodynamischen Antriebs- und Gefühlskomponenten zur Geltung zu bringen und dadurch die pädagogische Beziehung zu gestalten.

Beate West-Leuer
Coaching an Schulen
Psychoanalytische Beratung zur Stärkung professioneller Beziehungskompetenz
Gießen 2007

»Coaching an Schulen« ist ein Plädoyer für externe psychodynamische Beratung und eine Liebeserklärung an die nicht nur »gute« Schule. Es zeigt, wie gerade sperrige und widerspenstige Beziehungsmuster zur Entwicklung professioneller Beziehungskompetenzen – als Basis allen Lehrens und Lernens – beitragen können. Die psychodynamische Mikroanalyse einer schulinternen Lehrerfortbildung führt zu einem Psychogramm der Institution Schule und ihren schultypischen Konflikt- und Widerstandskonstellationen in Unterricht und Beratung. Die Vorurteile zwischen Lehrenden und Beratenden werden durch die insgesamt positiven Entwicklungen im Beratungsprozess relativiert. Und wenn – trotz bester Absichten – auch einmal scharfe Töne zwischen Beraterin und Kollegium auftauchen, gilt es, zu diesen zu stehen. Denn um in der Schule erfolgreich zu sein, brauchen Lehrerinnen und Lehrer keine idealen Berater, Schülerinnen und Schüler keine idealen Lehrer, sondern wahrhaftige Beziehungen. Ein detaillierter Blick hinter die Kulissen von Beratung an Schulen – gegründet auf persönliche Erfahrung und ganz ohne den »pädagogischen Zeigefinger«.