Zu den Seminarzielen dieses Lehrangebotes gehörte vorrangig die Vermittlung dessen, was Psychoanalytische Pädagogik im Kontext von Psychoanalyse sein sollte:

Im Prinzip lassen sich zwei Grundperspektiven Psychoanalytischer Pädagogik unterscheiden:

1. Grundlage eines pädagogischen Verständnisses von und in Lernbeziehungen ist die Psychoanalyse als Sozialwissenschaft; im unmittelbaren Kontakt spielt die Haltung der päd. Fachkräfte die entscheidende Rolle. Sie ist gekennzeichnet durch eine Balance zwischen Förderung und Forderung und bietet in dem pädagogischen Setting (gemäß dem Auftrag) die Möglichkeit zur Regression. Methode psychoanalytischer Reflexion ist das „szenische Verstehen“, d.h. pädagogische Fallschilderungen werden im Hinblick auf ihre latente Bedeutung reflektiert.

Literatur:

Trescher, H.-G.: Handlungstheoretische Aspekte der Psychoanalytischen Pädagogik, in : Muck, M./Trescher, H.-G. (Hrsg.): Grundlagen der Psychoanalytischen Pädagogik, Mainz 1993

Trescher, H.-G./Finger-Trescher, U.: Setting und Holding-Function. Über den Zusammenhang von äußerer Strukturbildung und innerer Struktur, in: Finger-Trescher, U./Trescher, H.-G. (Hrsg.): Aggression und Wachstum, Mainz 1992

2. Psychoanalytische Reflexion ist pädagogisches Hilfsmittel dort, wo mit dem „pädagogischen Handwerkszeug“ kein Erfolg zu erzielen ist oder wo sich Dinge ereignen, die rational nicht aufklärbar sind, aber dysfunktionalen Ärger erzeugen. Die psychoanalytische Reflexion etwa in einer Supervision kann dazu beitragen, die Zusammenhänge aufzuklären, die zum Scheitern des pädagogischen Planes geführt haben. Sie entwickelt selbst keine neuen Handlungsoptionen, kann aber dazu beitragen, dass solche in neuen pädagogische Überlegungen eingehen.

Literatur:

Ernst Federn: Geschichtliche Bemerkungen zum Thema Psychoanalyse und Sozialarbeit, in: Büttner/Finger-Trescher/Scherpner: Psychoanalyse und soziale Arbeit, Mainz 1991

Jürgen Körner/Christian Ludwig-Körner: Psychoanalytische Sozialpädagogik, Freiburg 1997

Beide Zugangsweisen gehen auf die Grundkonzepte der Psychoanalyse als Sozialwissenschaft sowie auf die Psychologien der Psychoanalyse zurück und entfalten sie für ihre jeweilige Anwendung. In beiden Fällen geht es um die pädagogische Handlungsfähigkeit, also um die adäquate Gestaltung von pädagogischen Settings und Beziehungsprozessen, nicht um deren Interpretation und Deutung allein (Abgrenzung von Pädagogik und Therapie).

Dies auch im Detail zu vermitteln, war mir ein großes Anliegen. Mir kam dabei zu Hilfe, dass verschiedene Kolleginnen an der EFH ebenfalls psychoanalytisch orientierte Lehrveranstaltungen anboten. Zwei Aspekte habe ich in allen Lehrveranstaltungen zum Thema Psychoanalytische Pädagogik immer wieder in den Mittelpunkt gestellt:

– In der Psychoanalytischen Pädagogik geht es um Pädagogik, nicht um Therapie. Und:

– Zum professionellen Handeln gehören – einerlei welcher Richtung man sich verpflichtet fühlt – Selbsterfahrung und Supervision. Diese Zugänge können nur berufsbegleitend in Anspruch genommen werden.
(Hans-Georg Trescher hat dazu einen sehr interessanten Aufsatz verfasst, indem er seine Erfahrungen mit der Vermittlung Psychoanalytischer Pädagogik an der EFH und das Dilemma der Abhängigkeitsbeziehung Studierender/Professor beschreibt, das eine Selbsterfahrung nur höchst eingeschränkt erlaubt.)

Die folgenden Systematisierungen habe ich verwendet, um den Studierenden das Konzept Psychoanalyse als Sozialwissenschaft nahe zu bringen und ihnen eine Orientierung zu geben, wie sich die Psychoanalytische Pädagogik darin verortet:

Anwendungen der Psychoanalytischen PädagogikAnwendungen der Psychoanalytischen Pädagogik